31 Dezember 2008

über silvestergeböllere

nach der stillen zeit, folgt auf den knall also die laute. zeit die weihnachtskerzen sind kaum abgebrannt, einige kerzenstummel am baum zeugen noch von der allzu stillen und ja doch hochheilige nacht, wo alles schläft und einsam ... aufhören bitte, bitte aufhören, ich bekomme noch einen tinitus!
jezt aber böller, kracher und knaller allerorts, piraten und schweizerkracher, knallfrösche und raketen. welch herrliche namen haben doch diese meist kleinen grünen rollstäbe, nicht größer als eine herkömmliche zigarre, die einmal entzündet, einen tremenden krach produzieren, als wollten sie endgültig das finale armageddon herbeiläuten, ähm knallen natürlich.
die bösen geister des winters sollten damit vertrieben werden, so heißt es, sei die quelle dieser silvestralen nationalsportart, dem kollektiven bebumsere und geböllere. man freue sich halt des lebens, und tue dies der welt auf die lautest möglich art und weise kund. finanzkrise, ach was, prekäre lage am arbeitsmarkt i wo. nix da, recht für freie meinungsäußerung, für freie gebumse und geböllere. dadurch entstehen schäden. also bitte, das liegt nur an der unsachgemäßen benützung dieser feuerwerkskörper. also die verletzten benützer selbst. wohl war ist, die gefahren, welche von den raketen und knallkörpern ausgehen, werden meist unterschätzt. hierbei handelt es sich um hochexplosives material, das, einmal entzündet nicht auf knopfdruck gestoppt werden kann, sondern seiner explosion freien lauf läßt. kurzwarnung: wenn zünd, dann bumm! alles klar? also vor man zündende ideen und einfälle hat, erst das eigene hirn zünden.
aber eigentlich wollte ich auf was ganz anderes hinaus. schließlich ist silvester ja auch traditionell bedenkungstag. man bedenkt dem abgelaufenem jahr, war da und vor allem wie es war. und wenn wir schon mal beim bedenken bin, ernenne ich hiermit hochoffiziell und feierlich den amtierenden bundeskanzler faymann zum bedankungskanzler. warum: weil er sich bei jeder und aller gelegenheit bedankt. beim p.t. wahlvolk, bei den scheidenden und kommenden ministerkollegen, bei der krone (überflußzeitung, anm. d. red.), und was weiß ich noch bei wem. ich vermute, daß die bedankungsorgien zwar nur schall und rauch sind, aber ich will nicht voreingenommen sein.
den knaller des jahres hat wohl die witwer der nation abgeschossen, er hat sich das prädikat "urheber des unwortes des jahres 2008" redlich verdient. "lebensmensch" ist wahrlich ein knalliger einfall. und nicht zu vergessen, die rakete des jahres "silvius b.", über diese figur könnte ich mir die finger wund schreiben, aber sein "braun gebrannte obama" ist doch eine leistung. höher kann man wohl kaum noch schießen. oder? mit welch einem feuerwerk an ölfässern und fettnäpfen uns der man doch immer wieder überrascht. kaum ein medialer böller von cavalier (silvius b. trägt in italien den ehrentitel cavaliere anm. d. red.) verebbt, da zündet er doch prompt einen neuen, einen noch lauteren noch schrilleren. lustiger vogel, leider halt regierungschef einen 50 mio. volkes.
sonst noch was? ach ja spanien wurde verdient europameister, deutschland unverdient vize. olympia war auch und, doch, doch: der doping lebt! kein gerücht, er wurde mehrmals dieses jahr gesichtet, augenzeugen berichteten eindrücklich, mit tränen in den augen davon.


und ja: veni, vidi, vinzi.


11 November 2008

über züge

vom zug der zeit ist wahrlich oft die rede, nicht nur bei den öbb, höchste zeit also diesem zug auf dem grund zu gehen, fuglos und zügig. im zug zu stehen verändert die weltanschauung, das ist bekannt. wird ja stets betont: wer eine reist tut, hat was zu erzählen. blöd halt ist es doch im zug zu stehen, holt man sich eine lungenentzündung, im besten fall. am zug zu sein hingegen ist eine an sich gute sache, ob mit weißen steinen oder schwarzen, man zieht dann munter mit dem roß, und gibt dem schwarzen könig einen stoß. was mag sich wohl herr kramnik gedacht haben, als er, am zug warend, der partie und den titel verlustig wurde. und auf dem zug erst, da wird munter, luftig fröhlich. so manche fidele cowboy-schießerei fand dort statt, natürlich nur auf zelluloid in der großen zeit des stummfilmes, und mit tunnel, der lichtwechsel satt. ja auf dem zug ists toll, weil man sich danach baden soll, die dampflokomotiven sind hinlängglich bekannt für ihren rußausstoß, von wegen co2 emission.
unterm zug ist schon weit weniger angenehm, ist keine ratsame methode, den holden blauen (wie lange noch?) planeten zu verlassen. und dann heißts obenrein noch: wegen erkrankung eines fahrgastes ist die u-bahn verspätet. nein, nicht gut, definitiv.
da ist doch ein umzug schon viel besser, seis mit kisten und möbeln, seis mit masken und trompeten, man zieht in einem fall bloß um, im zweiten schon weiter; eben umher. obwohl so mancher umziehende stöhnt lauthals auf: kein umzug mehr im leben, das wär für mich ein, ja was wohl.
viel mehr kopfzerbrechen bereitet so manchem zeitgenossen ein anderer zug, der zusammenzug. von zeitgenossinnen herbeigefleht, er aber zaudert, zittert und zerknirscht, man zusammenzieht zur zweisamkeit. ob die wohl bleibt? falls ja, gibts gern erweiterung der zweierkeit. falls nein folgt am fuß der auseinanderzug. die bande, einst so verband wird nun gedehnt, und gezogen, auseinandergezogen eben. bis sie bricht. es folgt umgehend der entzug, ob einseitig oder beidseitig hängt davon ab, ob einer der beiden schon trost gefunden hat. mit dem abzug kann man auch so allerhand anstellen, er löst den schießvorgang aus. gleichzeitig befreit er küchen in aller welt von unangenehmen anbrenngerüchen, die nun mal auftreten, wenn man am herd abwesend ist. was ab, das auf, bringt einem der aufzug nach oben, das ist bekannt, mal schnellgeschossig in einer röhre mit flauem magen, dann wieder behäbig in stets betenden klappernden kisten, hin zu gott im himmel. oder eben andersrum, nach unten, zu den ewigen feuern, oder doch nicht? in welchem aufzug man daherkommt, ist aber eine ganz andere sache, die mutter schalt einem ob des aufzuges, seien es nun lange haare, vollbärte, oder sonstige nichtinsignien moderner zivilisazion. aufgezogen zu werden ist auch keine angenehme sache, macht euch gefälligst über wen anderen lustig, ich bin nicht euer blitzableiter! unterläßt man aber selbige tat, bleieb sämtliche uhren und wecker stehen, mit dem unerfreulichen ergebnis, daß man doch glatt den arbeitsbeginn verschläft. im anzug ist man ein fescher mann, der fast alles haben kann. wenn dann aber dame zuwegekommen, und sogleich anzüglich werden, will man sich der konfektion entledigen. ob davonrennen oder bleiben, soll sich doch jeder selbst entscheiden.

und was hat das alles mit der öbb zu tun. nun, einfach, des bezuges wegen.

23 Oktober 2008

über das schnelle geld

schnellfahren kann die gesundheit entscheidend beeinträchtigen. davon wurden herr und, ja auch, frau österreicher in den letzten beiden wochen auf eindrücklichste überzeugt. seine gesundheit endgültig nachhaltigst geschädigt hat österreichs politisches talent der letzten jahre. wobei darauf wert gelegt wird, das politik hier ausdrücklich als jenes handwerk verstanden wird, auf der klaviatur der p.t. wähler zu spielen, nicht jedoch die qualität, die ausrichtung und die nachhaltigkeit der politischen inhalte. die qualitäten und die methoden der populisten wurden schon an anderer stelle gesprochen. jörg haider, der mit wahrscheinlichen 142km/h oder aber mehr, genau wird man das nicht in erfahrung bringen, in eine betonmauer gekracht ist, und dabei sofort ums leben kam, hat sich damit um sein weiteres politsches wirken gebracht.
so abstrus und krude seine politischen ideen waren, vom absonderungslager auf einem berg für straffällig gewordene ausländer bis hin zur ordentlichen beschäftigungspolitik im dritten reich, so brillant waren seine rhetorischen fähigkeiten, gerade wenn es um fernsehduelle oder auch rededuelle on face ging. alle seine ehemaligen und aktuellen gefolgsleuten berichten von einer nahezu gespenstischen ausstrahlung, die alle für ihn eingenommen hat. er schien ein politiker gewesen zu sein, der einen zeitnerv punktgenau getroffen hat. charismatik kontra sachargument, zweiteres geniest momentan keinen hohen stellenwert. gerade in zeiten einer zusteuernden krise zählt nicht mehr die erklärung, wie und warum es zu einer solchen kommen mußte, sondern um klare und einfache lösungen; die meist dergestalt ausschauen, daß irgend jemand für das schlamassel schuld zu sein hat, und der dann dafür zur rechenschaft gezogen wird.
Momentan hoch im sündenbock-ranking rangiert der banker. betrachten wir also die spezies einmal näher.
also der bänker.
aussehen: meistens männlichen geschlechts, fellfarbe: nadelstreif, krawatte und hosenträger. kantige gesichter, könnten teilweise auch boxer sein.
verhalten: getrieben vom verlangen nach mehr, kurz gier. unterkategorie: spieler.
neuerdings jedoch beklagen sich auch schon ökonomen, in der spezies manager die gleichen sündenböcke zu suchen wie man 1930 in den juden fand. dies gab der ifo-chef (institut für wirtschaftsforschung) hans-werner sinn zu protokoll. ob herr sinn bei sinnen war, diesen un-sinn zu verzapfen, wird leider nicht mitgeteilt. jedenfalls fürchtet eine ganze berufssparte, der bakner und der manager um seinen ruf. aktuell rangiert er in der vertrauensskala nicht weit entfernt von gebrauchtwarenhändler und politiker im kellerbereich dieser tabelle, die untersucht ob die bevölkerung vertrauen zu den jeweiligen berufsgruppen habe. (im gipfelbereich rangieren übrigens berufsfeuerwehrleute und piloten, dicht gefolgt und krankenschwestern und ärzten).
manager und banker haben ihren vormals hervorragenden ruf, sie standen in der gunst vor der finanzkrise hoch, eindeutig durch die zutiefst menschliche eigenschaft der individuellen und der institutionalisierten gier vermasselt. individuell, weil durch höhere persönliche umsätze die sie erzeilen konnten, die betreffenen personen mit höheren boni und aufstiegschancen rechnen konnten. und institutionalisiert, da die bankkonzerne ihren aktionären verpflichtet sind, denen sie langfristig gesehen, unrealistische wachstumsraten versprochen hatten. um sich deren kapital und stimme trotz dessen stets aufs neue zu versichern, sind die konzernleitungen gezwungen die vorgaben und damit den druck auf die eigenen mitarbeiter stets zu erhöhen.
jeder der beteiligten, seien es nun die mitarbeiter, die konzernleitungen, die aktionäre alle waren mit steter beschleunigung dem schnellen geld hinterher, das es einzuholen galt. wie bei jeder wettfahrt, kann auch diese in einer katastrophe enden, wenn die fahrenden ungebremst gegen ein hindernis preschen. dies ist in dem fall passiert. das schnelle geld, dem alle hinterherfuhren, vereinnahmte alle beteiligte derart, daß sie die hindernisse auf der straße übersahen. und dann passierte es. ungebremst, mit höchster geschwindigkeit. wie der volkstribun von kärtnen. die folgen waren für zweiteren tödlich. wie sich die ersteren aus dieser katastrophe herauskommen, wird sich in den kommenden monaten zeigen.

30 September 2008

über geschlagene wahlen

es ist vollbracht. des landes souverän, das volk, hat gesprochen. bloß was, ist noch nicht ganz klar. das alte sprichwort, wenn einer nach links will und der andere nach rechts, trifft man sich in der mitte, scheint nicht mehr zu stimmen. die politische mitte, wenn es sie jemals gegeben hat, wird in österreich derzeit nicht besetzt. rechts der mitte tummeln sich jede menge farbenspiele, die sich während des wahlkampfes mit populistischen sprüchen gegenseitig zu übertrumpfen schienen.
und links davon, ja gibt es dort noch was. man glaubt ganz schwache lebenszeichen von dort zu vernehmen. die früher agile und aktive ökobewegung, die grünen, liegt zur zeit in der reanimation, der schock hat sie tief getroffen. und die roten, tja die roten haben sich schon vor der wahl den rechten populistischen blättern zur brust geworfen.
wien an kontrollzentrum, wien an kontrollzentrum wir haben ein problem; unsere linke ist klinisch tot. völker, so hieß es einst, völker hört die signale. es soll nicht sein das volk hört keine signal, sondern nur schreihälse wie hunde kläffen; "ober mai, er hott jo so scheene blaue augen. er ist ja sooooo fesch". als ob das politische kategorien wären.
untertanen. es wird zeit, daß wir die geschicke dieses landes wieder in die hand nehmen. wir überlassen diese schwerwiegende bürde nicht dem fernsehkasperl, der uns derart grottenschlecht parodiert, das wir in der kapuzinergruft wie grillhänderl rotieren, da hätts ja zu unserer zeit nicht gegeben, da wäre die gendarmerie eingeschritten. nein, wir übernehmen höchstselbst wieder die hofburg, auf daß die gottgegebene ordnung wieder in wien einzug hält. nebenbei werden wir dieses verstrittene böhmen und mähren, dieses siebenbürgen, die südsteiermark und die krain und dieses rechtslärmende ungarn wieder in die donaumonarchie bringen, auf daß österreich wieder erstrahle. und wehe euch einer redet uns von sarajevo.
wir erwarten uns also, daß sich jeder aufrechte uns treue österreicher am 21. november, am todestag unserer selbst, mit gelb-schwarz beflaggten gewehren an der ringstraße postiert und den herrn politiken um punkt 10 Uhr einen abschiedsalut schießt. wie werden um die zeit einzug in die hofburg halten und dem salut am balkon öffentlich beiwohnen. (für freibier und würschtel wird gesorgt.)
am heldenplatz haben sich alle honorationen und blaublütler einzufinden, wir bitten um standesgemäße kleidung. hernach wird die neue gesellschaftsordnung öffentlich verlesen und tritt mit dem verhallen der fanfaren augenblicklich in kraft.
österreich, deine zukunft liegt im grabe, besser gesagt in der kapuzinergruft.

20 September 2008

über banken

es geht ein gespenst um in der welt. nein, kein kommunistisches, das hatten wir schon, die diesbezüglichen ehernen vorhänge und wachtürme sind längst gefallen. wir trauern ihnen keine tränen nach. nein diesmal ist das opposit des obgenannten kommunismus dran, der kapitalismus. dass inkarnat aller kapitalien, sozusagen deren quantifizierungsanstalt und aufbewahrungshalle mutieren zu leichenhallen: die banken. weltweltstürzen die börsenkurse in unermeßliche tiefen, reih um reih melden die renommiertesten großbanke des us- amerikanischen kapitalmarktes ihren konkurs, respektive ihren ruin. der hiobsbotschaften nicht genug, der schlagzeilen der gazzetten nach zu urteilen dräut bedrohlich eine weltwirtschaftsskrise mit verheerenden ausmaßen am horizont.
von den einen gefürchtet, von den anderen prophezeit und insgeheim herbeigesehnt, nun ist er da, der fall des börsenkapitalismus. derartige implosionen gehen zwangsläufig nicht lautlos von statten, wie ein fahrradreifen die luft verliert, sondern mit einem gewaltigen knall und getöse. verlierer dieser krise sind fast (aber eben nur fast!) alle. kleine sparer, die ob niedriger bankzinsen auf aktien gesetzt haben, rentner und pensionisten, deren auszahlende fonds auf ebensolche gesetzt haben und nun einen großteil ihres kapitals verloren haben, wodurch sie ihre kunden nicht mehr die versprochenen monatliche summe überweisen können. zu den ganz wenigen gewinnern gehören all jene, welche die krise heraufdräuen sahen, und kurz zuvor ihre schäfchen ins trockene bekamen, wie auch all jene die über insiderwissen verfügten und rechtzeitig vorsorgten.
wie die krise kulminierte, dürfte hinlänglich bekannt sein. zur erinnerung nur die eckpunkte der krise, banken verschleuderten häuserkredite zu unglaublichen konditionen, d.h. sie wurden an kunden vergeben, deren wertbesicherung in keinster weise sichergestellt war. die banken vertrauten auf den boomenden immobilienmarkt in den usa, im notfall konnte man das haus zwangsversteigern. durch die rasant steigenden häuserpresie war auch dieses vorgehen ein geschäft. die erzielten preise für immobilien begannen zu stagnieren, schuldner konnten ihre kredite nicht mehr bedienen, und mit einem mal begannen die gläubigerbanken zu wackeln, da sie über zuwenig eigenkapital verfügten, diese ausfälle zu kompensieren. dies ist an sich eine krise, aber keine weltweite, dazu kamen andere faktoren dazu.
die banken bündelten die kreditschulden zu fonds zusammen, die sie mit obskuren namen versahen und auf den internationalen markt schmissen, wo sie reißerischen absatz fanden. meist war den käufern solcher subprimes, (wie sie im bankenjargon heißen) gar nicht klar, was sie eigentlich genau gekauft hatten, war auch egal, solange die dividende stimmte. man belohnte sich gegenseitig mit abenteuerlichen honoraren und boni. die finanzwelt feierte sich selbst. bis zu dem zeitpunkt, da die panik ausbrach und viele dieser aktien so wertlos wie packpapier in der eisenwarenabteilung machte. milliardenwerte wurden innerhalb kürzester zeit vernichtet, die freilich ohnehin nie existent (da virtuell) waren. reihenweise kündeten banken ihre zahlungsunfähigkeit an, das führte so weit bis sich die us regierung genötigt sah, einen 700 milliarden schweren hilfsfond für die strudelnden banken bereit zu stellen, auf kosten des steuerzahlers, selbstverständlich. schnell verbreitete sich ein  sprichwort: gewinner werden privatisiert, verluste sozialisert. 
man wird die krise nich in den griff bekomen, wenn man maßgebliche spielregeln nicht dauerhaft für alle geltend einsetzt. kapital darf nicht wahllos und völlig willkürlich rund um den globus geschleust werden, und innerhalb kürzester zeit wieder abgezogen werden, nur weil ein manager eine magenverstimmung hat. es müssen zeitliche mindesthaltedauern an firmenbeteiligungen eingeführt werden, schließlich sind das vitale quellen ganzer landstriche, die man nicht einfach so kauft und verkauft wie langsemmel. die einfühung einer spekulationssteuer, die berühmte tobin tax, sollte neu und grundlegend auf eine einführung hin überprüft werden. dabei geht es um einen bagatelle- betrag von angenommen 0,5% des gehandelten gesamtwertes, das bei jeder transaktion an den staat, die eu oder an einer sonstigen autorität zu entrichten ist. dies soll vor allem kurzfristige handelsaktionen beschränken, die meist spekulativen charakter haben.
ein bekannter witz aus der witzreihe rund um radio erewan: 
frage an radio erewan: bitte sie zu erklären den kapitalismus. antwort von radio erewan: kapitalismus ist, wenn menschen andere menschen saugen aus. 
zusatzfrage: und was ist kommunismus? bei kommunismus ist es genau umgekehrt.

20 August 2008

über den verlust des politischen

der slogan: "die neue wahl", nebst riesenkonterfei des spitzenkandidaten prangt zur zeit von allen plakatwänden dieser stadt. überboten wird dieser politische nonsens nur noch von einem satz, der aus der mottenkiste der politischen wahlkampf (un)kultur stammt. "sie sind gegen ihn, weil er für euch ist." in dieser tonart spielt die musik weiter, wer an weiteren stilblüten dieser wahlauseinandersetzung interessiert ist, möge sich auf die suche machen. 
in bälde starten die televisiven konfrontationen, zuerst in form von duellen, wobei diesen wahrscheinlich nur noch die eindringliche musik von den western "high noon", oder "spiel mir das lied vom tod" fehlt. ihren dramatugischen höhepunkt finden sich diese schaudarstellung politischer perfomancekunst dann im gladiatorenkampf politscher inszenierung, der sogenannten elephantenrunde, in der die spitzenkandidaten aller parteien aufeinandertreffen. alle nebensächlichkeiten werden dabei mitbedacht: kleidung, schminke, temperatur im sendesaal, ja einst hat im zuge einer solchen auseinandersetzung der spitzenkandidat einer großpartei darauf bestanden, die stühle, auf den beiden zu sitzen kamen, selbst auszusuchen. unnötig zu erwähnen, welcher der beiden stühle eine höhere sitzposition hatte.
man trifft sich mit spindoktoren, (jenen eigenartigen zeitgenossen die vornehmlich wissen, was das gemeine volk will), mit rethorikexperten, mit sparringpartner, um die fernseh-auseinandersetzung zu üben. 
die ganze veranstaltung wahl, und im größeren kontext die polititische landschaft, bedient sich immer mehr den methoden und gesetzen der unterhaltungsbranche. da drängt sich ein verdacht auf. inwieweit unterscheidet sie sich noch von dieser. die politischen institutionen dienen, so die theorie dem volk. der name republik, sei es jetzt die österreichische oder italienische, deutsche, französische, alle diese staaten tragen republik in ihrem namen, meist an der prominenten ersten stelle. "res pubblica"  wird aus dem lateinischen übersetzt mit "sache des volkes". nun verstanden die lateiner zugegebermaßen unter volk freilich nicht das ganze volk, sondern nur jene männlichen exemplare, die das römische bürgerrecht trugen, dies war eine minderzahl. aber immerhin, deren sache war die staatsführung, zumindest eine zeitlang, bis zum ende der republik unter cäsar.
aus logistischen gründen wird auf eine direkte demokratie, (gesetzesentwürfe werden durch volksbescheid angenommen bzw. abgelehnt), in den meisten heutigen millionenstaaten verzichtet. das erweist sich in der umsetzung als wenig praktikabel, für jedes kleinere oder größere gesetz müßte man immer eine gesamtstaatliche abstimmung anberaumen. man fand daher zur parlamentarischen demokratie, in welcher verschiedene parteien verschiedene bevölkerungsgruppen vertreten sollten und über eine parlametarische abstimmung in die volksvertretung (parlament) gewählt werden. im prinzip funktioniert das heute in den allermeisten demokratien so, bloß daß die unterschiedlichen parteien immer weniger definierte bevölkerungsgruppen vertreten, sondern man operiert zusehens mit immer verwaschener werdenden programmen, die kaum auseinander zu halten sind. jede partei hat für sich die sogenannte mitte entdeckt, die weder definiert noch greifbar gemacht werden kann. wer repräsentiert die mitte, der fühlt sich als der mitte zugehörig? keine ahnung.
gleichzeitig wirken auf die politischen institutionen immer stärkere sogkräfte außerparlamentarische konglomerate, die diesen gehörig das gestaltungswasser abgraben. zu nennen in diesem zusammenhang sind natürlich die sich stets vergrößernden wirtschaftskomplexe, großkonzerne der industrie, die als ihre oberste maxime die steigerung ihres eigengewinns verfolgen. nationalregierungen reagieren auf deren forderungen meist ohnmächtig bis hilflos und gewähren wirtschaftshilfen, subventionen, steuererleichterungen ohne ende. die leiter und manager derart großer firmen haben stets das druckmittel im talon, man könne sich auch anderswo um einen firmenstandort umsehen, wo die gebotenen vorteile von seiten der politik diesem stammplatz überwiegen würden. ganz zu schweigen von dem zumindest us-amerikanischen usancen, in denen großkonzerne als finanzielle unterstützer von parteiwahlkämpfen auftreten. 
insofern sprechen die aktuellen slogans der politischen wahl, die bar jedes inhaltes nur noch befindlichkeiten zum ausdruck bringen, bände. das politische establishment hat kapituliert, es hat praktisch abgedankt. der dem politischen inhärente gestaltungswille ist nur noch in homöopatischen dosen erkennbar, man muß sich einer lupe bedienen um diese zu erkennen. der kapitale fehler, der zur zeit, man kann sagen, verbrochen wird, ist der verlust jeglicher perspektive und vision die zukunft betreffend. wer glaubt, durch unterlassung fehler zu vermeiden, sitzt einem schweren irrtum auf; man sollte zur kenntnis nehmen, daß auch nichtstun eine handlung, bzw. eine tat ist, die entstehende fehler nicht verhindert. die perspektivlosigkeit betrifft vor allem die jüngeren generationen. deren pensionen  und altersvorsorgen sind alles andere als gesichert, man kann auch von einem mittleren chaos in dieser sache sprechen. gar nicht erst thematisiert werden jene großen komplexe, deren wichtigkeit für die mittlere und fernere zukunft immer augenfälliger werden: migration und gesellschaftspyramide. in den europäischen staaten steigt der altersdurchschnitt rapide an, damit ergeben sich zwangsläufig neue probleme und herausforderungen. längst hat industrie und handel die generation der senioren als neue und gewinnbringende konsumentenschicht für sich entdeckt. was wunder, jene menschen, die heute eine pension beanspruchen können sich dank der modernen medizin und den geltenden arbeitsschutzgesetzen über eine hervorragende körperliche gesundheit erfreuen. dank der generösen pensionsregelungen der 70er jahre, in denen man die entwicklung freilich nicht antizipieren konnte, (drastisch steigende lebenserwartung, hoher gesundheitsstandart) verfügen sie über noch nie dagewesene materielle absicherung. mit fug und recht läßt sich sagen, dies sind eindeutig die vorteile der sozialpolitik der damaligen jahre. nur leider muß man auch hinzufügen, diese hohen allgemeinpensionen werden sich, wenn die entwicklung so weitergeht wie bisher, nicht wiederholbar sein. 
die migration ist ein faktum, daran ist nicht zu rütteln. menschen werden stets von wirtschaftlich ärmeren zu reicheren ländern strömen, in der hoffnung die individuelle lebensperspektive zu verbesseern. das ist eine grundkonstante des menschlichen seins, die auswanderer aus europa in die heutige usa sei hier nur als exempel erwähnt. zu allen zeiten der geschichte finden sich entsprechende beispiele. zwangsläufig kommt es bei derartigen bewegungen zu reibungsflächen und zu problemen. gleichzeitig werden die arbeitskräfte von den industriestaaten aber dringend gebraucht, da sie arbeitsleistungen erbringen, welche die autochtonen (naja, so autochton sind die meisten bewohner aller länder auch wieder nicht, siehe wiener telephonbuch!) bewohner nicht erbringen können oder wollen. da mit den menschen auch deren weltanschauungen und kulturellen gepflogenheiten mitreisen, die nicht selten diametral den gewohnheiten der örtlichen bevölkerung zuwiderlaufen, gilt es hier eine verbindliche rangordnung zu erstellen, welche die fälle, in denen rechte miteinander kollidieren, klar und eindeutig regelt. die verfassung wäre hier eine geeignete methode, um ein derartiges übergeordnetes grundgesetz zu gewährleisten. diese müßte au die heutigen und erwartbaren probleme der zukunft hin untersucht und gegebenfalls neu formuliert werden. 
ein weiterer kernpunkt, der hier erwähnt werden sollte, ist lebensraumsicherung. dazu gehört der schutz der umwelt, der maßvolle umgang mit den vorhandenen ressourcen und rohstoffen, von denen gerade das wasser eines der wichtigsten sind. 
politik ist definitionsgemäß gestaltung, sie hat die aufgabe rahmenbedingungen zu schaffen, innerhalb derer die handelnden gesellschaftsteilnehmer agieren können. dazu müssen maßnahmen getroffen werden, die manchmal auch für die eigene klientel schmerzhaft sein können. vor allem aber müssen vorschläge eingebracht, öffentlich auf ihr für und wider diskutiert werden und dann gegebenfalls umgesetzt werden. kasperliaden, unterhaltungspolitik und handlungsverweigerung taugen höchstenfalls als ablenkungsmanöver. leider offenbaren sich fehlleistunge der politik nicht sofort, sondern meist in späterer zukunft, wobei die verlockung fehler zu begehen, die kurzfristige vorteile bringen, langfrist aber massive probleme mit sich heranschleppen, naturgemäß sehr groß ist. die eingangs zitierten  schlagzeilen führen eindeutig in die falsche richtung. diese heißt ende der politik.

15 August 2008

über esel und karotten


eines der ältesten bilder für schinderei zeigt einen esel, vor dessen nase eine fette orangene karotte baumelt. diese baumelt perfiderweise an einem am karren befestigten stock. jedesmal, wenn der esel die karotte schnappen will, setzt er den karren in bewegung und  bewegt die karotte gleich mit. die legende nun sagt, (ich weiß nicht, ob esel auf dauer in diese falle reintappen) der esel wird derart von der karotte abgelenkt, daß er den karren und die darauf liegende last nicht merkt, die er die ganze zeit zieht. klingt einfach, fast so wie ein tierisches perpetuum mobile, man nehme: einen esel möglichst frisch, einen stock, möglichst lang, ein seil, möglichst dünn, eine karotte, möglichst fett, einen karren, möglichst alt und eine last, möglichst schwer. man befestige nun das seil an einem ende des stockes, das andere ende verkopple man mit dem wagen. am seil wird die karotte gebunden, ungefähr in der augen und maulhöhe des esels. der esel selbst wird vor dem karren gespannt, die last auf zweiterem drauf, karotte noch so austariert, daß der esel sie auf keinem fall erreichen kann, und los gehts! ho der wagen rollt. ja halt so lange, bis der arme esel nicht mehr kann.
nette tierfabel, mag sich so manch einer denken. ja ja, aber die spezies homo sapiens sapiens wartet mit vergleichbaren apparaturen auf. die karotte ist dann freilich keine karotte mehr, der karren wohl auch kein karren nicht. so leicht geht's nun doch wiederum nicht. eine möglichkeit die geschichte in die sphäre der humanitas zu transferieren, zeigt das coverbild der ersten nirvanascheibe. einen an der angel hängenden dollarschein, dem ein schwimmendes kind zu fangen versucht. das trifft die sache schon eher. die angloamerikaner pflegen dieses bild mit der sentenz "money makes the world go round"  zu verdichten. ich denke, das greift zu kurz: geld allein bewegt zwar, aber noch nicht genug. die methode ist noch um einiges diffiziler, aber die prinzipien sind hier erkennbar.
max weber zitiert in seiner schrift "die geburt des kapitalismus im geist des protestantismus" benjamin franklin, den erfinder des blitzableiters. dieser meinte sinngemäß, wer eine zeit nicht arbeitet, erleide nicht nur dadurch einen finanziellen verlust, weil er in dieser zeit geld ausgeben, nein, der verlust sei noch viel größer, da der nichtarbeitende auch den entgangenen gewinn als verlust einrechnen müsse. er hätte ja arbeiten und damit verdienen können. was nun ist das großes faszinosum von geld, mal abgesehen von der tatsache, daß man sich damit ziemlich viele alltägliche problem wie miete, strom gas etc, vom hals schafft. der entscheidende punkt liegt in der scheinbaren objektivierbarkeit von an sich nicht allgemein einsichtigen leistungen: die der zeitgenössischen arbeit. wer kann denn vergleichen wieviel ein repariertes abflußrohr wert ist, wieviel eine zeile in einer zeitung. vermittels des erhaltenen geldes werden diese verschiedenen arbeiten auf einen gemeinsamen numerischen nenner gebracht. wieviel hat man dafür bekommen! daraus läßt sich dann ganz einfach eine rangordnung erstellen, neudeutsch auch ranking genannt, in die schwups-diwups jeder eingeordnet wird. 
damit nicht genug, der einteilungswahn produziert noch ganz andere blüten. der sport quillt schier über mit rangordungen, tabellen und vergleichszahlen, nicht nur schlußzeiten und ergebnisse werden erzählt und kategorisiert, mittlerweile werden im fußball laufwegstrecken einzelner spieler erfaßt, verhältnisse zwischen gelungene und mißlungene pässe, zweikämpfe und ähnliches mehr ermittelt. diese lassen sich recht einfach, die moderne informationsmaschinerie machts möglich, in tabellen eintragen und ranglisten erstellen. derartige hilfsmittel dienen fußballvereinsscouts dann als einkaufszettel neuer spieler für den verein. die zahlen schaffen harte, glasklare fakten zum sport.
der wahn hat längst auf den breitensport übergegriffen, so weit das auge reicht, allüberall hecheln piepsende, in funktionskleidung gesteckte läufer herum, mit hektischem blick auf den armbandpulsmesser, ob man ja in der idealzone gerade trainiert. stimmt die zahl, stimmt der spaß, oder? fahrradtachos werten längst nicht bloß banale zustände wie aktuelle geschwindigkeiten aus, nein, nein da gibt es kurbelumdrehungen, höhen-, puls-, geschwindigkeits-, und sonst noch allerlei -messung. grad daß die dinger nicht noch am schluß die fahrradwäsche selbsttätig waschen. auch hier gilt, je höher desto spaß. die lust am sport ist somit direkt proportional zu irgendein festzusetzenden meßwert, der das nächste mal gesteigert werden muß. es erübrigt sich fast dazu zusagen, daß die meßwerte natürlich auf dem heimcomputer übertragen werden und im internet mit andern verglichen, ja eingeordnet werden können. der spaß scheint nur dann erlaubt zu sein, wenn er direkt mit irgend einer zu definierenden leistung verbunden ist. nur einfach so radfahren, schwimmen, laufen, so zum spaß, geht nicht.
die rankings lassen sich nur weiter ausführen, da gibt es in diversen gazzetten die 100 reichsten staaatsbürger, die 100 bestangezogenen, die 100 sexysten (seltsames wort!) hauptsache es gibt eine rangordnung, dann kennt sich jeder aus.
die wichtigste aller rangordnungen sit die der öffentlichen aufmerksamkeit. millionen menschen buhlen um ein quentchen öffentlichkeit. als hätte der tschechische künstler andy warhol mit seiner diktion "jeder kann für 15min ein star sein" diese entwicklung vorausgesehen, heute hat sich etwas verändert, es gilt "jeder will ein star sein". natürlich wird diese währung peinlich genau gemessen und protokolliert, im internet gelten klickraten der eigenen seite als goldene grahle, je höher diese desto mehr selbst wird der autor respektive besitzer. der erstaunliche wahn zum exhibitionismus im netz, der schlichtweg vor gar nichts halt macht, ist nur unter diesem aspekt zu verstehen. schau her hier bin ich, seht alle, alle her, erst dann bin ich's wirklich. 
es gibt keine noch so dämliche fernsehsendung, in welcher die protagonisten im besten falle zum affen gemacht werden, die an mangelnden teilnehmern leidet, natürlich unter der voraussetzung, die sendung ist bekannt und hat eine beträchtliche breitenwirksamkeit. das um aufmerksamkeit heischende volk rennt den castings (so heißen die neuerdings) -tanten und -typen die türen ein. alles nur um gesehen zu werden und möglichst auch in einer printgazzette in irgend einem ranking dann vorkommen. 
damit werden die rankings, die reihenfolgen zu perfekten karotten, welche das p.t. volk dinge tun läßt, die sie wohl freiwillig niemals auch nur denken würden. sie arbeiten bis zum umfallen, keuchen und kotzen sich diverse berge hinauf, lassen sich televisionär bis zur schamgrenze vereiern, ja verkaufen sogar, wenns sein muß ihre großmutter, nur weil permanent eine  virtuelle zahl in einem virtuellen ranging vor ihren augen herumtanzt. esel zieh!

13 August 2008

über die kommunikation

zu olympischen zeiten ist es üblich, die welt in edelmetalle zu unterteilen, in gold, silber und bronze; eine klare, einsichtige und für alle verständliche hierarchie, das spart erklärungszeit und nerven. ein altes sprichwort handelt ebenfalls von den oben genannten olymischen edelmetallen im zusammenhang mit kommunikation: "reden ist silber, schweigen gold." das sprichwort feiert offensichtlich die nichtkommunikation als olympische tugend. hatten die fernen griechischen götter, die ja bekanntlich auf dem olymp ihre residenz aufgeschlagen hatten, das nichtreden zu ihrer kardinalstugend erhoben. so nach dem motto, haltet die klappe ihr griechen und spendet uns nektar und ambrosia.
zugegebenermaßen gilt das schweigen der untertanen den mächtigen als die angenehmste huldigungsform, naja nicht ganz, lobrufe und huldigungen werden natürlich gerne entgegen genommen, aber im zweifelsfalle lieber nichts hören als kritik. dabei kann eine schweigende masse ganz schön unheimlich sein. wer ist noch nie von einer runde diskutierender menschen aufgestanden, aufgrund eines dringenden bedürfnisses und hat die runde schweigend vorgefunden, als er zurück zu seinem platz steuerte. ein sehr unangenehmes gefühl. schweigen ist in dieser form ein klares signal der ausgrenzung, du gehörst da nicht dazu, da gibt es etwas, was wir mit dir (abgrenzung zwischen der gruppe und dem einzelnen) nicht besprechen wollen. nachdem der mensch per se ein soziales wesen ist, und in seiner entwicklungsgeschichte vital von kontakten abhängig war (ein einzelner mensch hat, fernab von modernen industriestaaten mit ihrem konfort und eben sozialen einrichungen, mühe allein zu überleben) sind wir auf solche zeichen und signale sehr empfindlich. schweigen ist somit keine kommunikationsverweigerung, sondern teilt durchaus etwas mit, die botschaft: ich will oder kann nicht mit dir reden. selbst dieser graduelle unterschied zwischen nichtwollen und nichtkönnen erschließt sich aus den bewußt bzw. unbewußt gesetzten zeichen des oder der schweigenden.
nun ist meinungsäußerung manchmal ausdrücklich erwünscht, vor allem in zeiten von parlamentswahlen. die um stimmen ringenden beo-, alt-, langzeit-, oder immerpolitiker haben ein elementares bedürfnis, eine schriftliche meinungsäußerung zu ihren gunsten in form eines kreuzes auf dem stimmzettel, zu bekommen. sonst sind sie sozusagen ihren job los. was also, wenn das p.t. wahlvolk beschließt, in diesem fall zu schweigen? gibt es eine alternativstrategie, oder denken sich die entscheidungsträger, wird schon so sein wie immer. das hieße, die doch gewählten vertreter wären bar jeder legitimation, da sie ja nicht von der mehrheit des volkes, dem sog. souverän gewählt wurden. das ist in der tat eine aussage, und was für eine!
das oben zitierte sprichwort zielt jedoch auf eine andere form des schweigens. dazu passend ein zweites: "es in schwieriger ein gerücht zu revidieren, als die daunen eines kaputten federbettes einzusammeln, die der wind verstreut hat." was gesagt wurde, ist gesagt. damit sind fakten und realiäten geschaffen. man kann hinterher schlecht damit argumentieren, man hätte dies und jenes nicht so gemeint, es wäre falsch zitiert worden usw. es ist da und gesagt, damit muß derjenige leben. eine geliebte ausrede für die äußerung beleidigender, diskreminierender sentenzen ist übermäßiger alkoholeinfluß. man wäre ja besoffen gewesen und hätte alles nicht so gemeint. wir sind, in jeder lebenslage, verantwortlich für unser handeln und reden. man kann doch nicht das eigene vergehen der schnaps- oder weinflasche in die schuhe schieben. abgesehen davon, daß flaschen in den selteren fällen schuhe haben. oder vielleicht doch?
manches öfter eingesetzes gezieltes schweigen, wenn so manche klappe bedrohlich klappert und zum atemschöpfen ansetzt, würde die allgemeinheit von manchmal nur dummen, manchmal auch beleidigenden oder schädigenden äußerungen befreihen und ja auch die umwelt schonen, da so weniger heiße luft produziert wird. immerhin auch ein wichtiger punkt in zeiten steigender erderwärmung.

30 Juli 2008

über populisten

populisten zeichnen sich in der eigenschaft aus, komplizierte sachverhalte einfach (und teils auch vereinfacht) darzustellen. diese fähigkeit ist an sich noch keine übel beleumundete eigenschaft. woher kommt also der etwas anrüchige ruf, der unweigerlich mit dem nomen populist verhaftet ist. tief im kern des wortes steckt die lateinische wurzel populus, wörtlich "das volk". wie es sich nun mit den casi und pronnome verhält, mögen sich kompetentere lateinisten und graezisten melden. 
ein populist spricht oder agiert zunächst einmal für das volk, so die definition. das ist doch gar nicht schlimm, im gegenteil, es ist sogar eine zwingende voraussetzung für einen politiker; schließlich gründet sich die demokratie und unsere sonderform die parlamentarische demokratie auf volksvertreter, die eben das volk, bzw. teile des volkes, im parlament vertreten. er muß seine reden und handlungen so verständlich wie möglich formulieren, damit er von einer breiten allgemeinheit verstanden werden kann. sonst würde sich auf dauer die kaste der politiker von ihrem wahlvolk abkapseln, und eine abgeschottete in sich zirkelnde gesellschaft bilden. dieser vorwurf zielt häufig auf die politischen institutionen italiens, deren mitglieder tatsächlich losgelöst von den realen gegebenheiten des landes zu agieren scheinen. 
populisten nun nützen dieses vakuum, das entsteht, wenn sich das wahlvolk von ihren vertretern nicht verstanden bzw. gehört fühlt. die methode, die derartige tribunen anwenden, folgt einem fast stehenden muster. der populist definiert einen äußeren feind, dem er die mißstände, die er in überbordender zahl findet und benennt, zuschreiben kann. damit schafft der er eine geschickte trennung zwischen den guten "wir", also ihm und seinen anhängern, und den bösen anderen, die da diese gefundenen feinde und deren gefolgsleute wären. wer nun chancen zum feind aufzusteigen hat, läßt sich nicht im vornherein definieren. es ist aber stets ein einzelner oder eine gruppe bzw. ein volk, das leicht von den anderen scheidbar und unterscheidbar ist, (beliebt ist hautfarbe, eindeutige religiöse bekenntnisse, oder divergierende kulturelle bezüge) und die in ihrer wie auch immer gearteten widerstandkraft gegen diese aus- und eingrenzung eingeschränkt ist. populisten verfahren nach dem manichäischen prinzip. es gibt eine eindeutig gute und eine eindeutig böse seite, und wer nicht für uns ist, qualifiziert sich sogleich als ein vertreter der anderen, der bösen. 
was gewinnt man mit dieser methode? auf der habenseite zu verbuchen ist ein größerer druck auf der anhängerseite. einerseits haben sie eindeutige leitbilder, befolgt werden können. das ist vor allem in zeiten in denen gesellschaftliche normen zusehens morsch zu werden drohen, eine erleichterung. andererseits schwebt jedem das damoklesschwert auschluß bei ungebührlichem verhalten, bei regel- oder normenverletzung über seinem kopf. wer nicht tut, was von ihm verlangt wird, diskrediert sich automatisch zum feind, mit all den sichtbaren konsequenzen. 
zum anderen vereinfacht sich die schuld- und mißerfolgsfrage in einem manichäisch geteilten weltbild entscheidend. kann ein versprechen, das vom volkstribun mit pauken und trompeten verheißen wurde, partout nicht eingehalten werden, dann, ja dann waren halt die feinde des systems schuld, die es wie durch ein wunder doch noch geschafft hatten, saboteure einzuschleusen und das vorhaben zum scheitern zu bringen. schnell werden ein paar unliebsame aus den eigenen reihen gefunden, sie meist zu unrecht der kollaboration mit dem feind beschuldigt und elegant entschärft, meist durch den scharfrichter. 
man mag jetzt einwenden, so funktioniere doch nur eine ausgewachsene diktatur. dieser einwand ist vorderhand richtig. die erwachsene form des dualismus findet sich meist in diktaturen, aber populisten bedienen sich den methoden schon viel früher, freilich nur in rhetorischer form, da ihnen das system zur umsetzung noch fehlt. im prinzip ist der unterschied zwischen verbaler unter-scheidung und der praktischen scheidung des volkes nur mehr ein gradueller, die fragen nach den zur verfügung stehenden mitteln.
ist die scheidung erfolgreich vollzogen, kommt das vereinfachungsprinzip zur anwendung. alle strittigen, komplexen und komplizierten erklärungsmodellen werden zuerst negiert, und später der obstruktionsabsicht verdächtigt. sie werden zugunsten einfacher modelle eingetauscht, die meist darauf beruhen, daß der erkannte feind die ursache des übel sei, und einfach ausgerottet (vertrieben, ausgewiesen, eingesperrt, nach belieben fortzusetzen) werden muß, dann wäre alles gut. 
natürlich ist auch danach nix gut, klar, wie sollte auch. der grundpfeiler der annahme war eine morsche lüge, und das darauf erbaute haus ist nachgerade zwangsläufig schief. aber solange man halt nicht genau hinsieht, steht das monument ja doch.
daher kommt also der schlechte ruf der populisten, die vielfach erprobte erkenntnis, daß ein vereinfachender, ausgrenzender und affektiert pöbelnder schreihals sich in sachen solider, stabiler und zukunftsweisender politarchitektur sich überhaupt nicht auskennt. man wundert sich in anbetracht der vielen immer noch stehenden römischen bauten, ob diese erkenntnis nicht schon die alten lateiner hatten und für schlecht planende baumeister ein vokabel erfanden: populist. du!

20 Juli 2008

über die demokratiemüdigkeit

die letzten, allerneuesten und brandheissesten umfragen bescheinigen den großen volksparteien östererichs herbe verluste. würde dieses prognostizierte ergebnis am wahltag sich manifestieren, wären vier von fünf parteien praktisch gleichwertig im parlament vertreten. nun ist hinlänglich bekannt, dass wahlprognosen ähnlich wie zukunftsforscher wie auguren in irgendwelche innereien ihre schau halten, entsprechend sind ihre erkenntnisse zu werten. für ahlprgnosen und dem eigentlichen wahltag gilt das alte sprichwort "ersten kommt es anders und zweitens als man denkt". aber eine gewisse politische verdrossenheit kann man im p.t. wahlvolk trotz aller vorsicht doch konstatieren. erkundigt man sich in seiner näheren und ferneren umgebung nach deren jeweiligen wahlfavoriten, indem man die simpel klingende frage stellt: "was werden sie wählen?" erntet man nur ein angedeutetes achselzucken und eine hilflosen gesichtsausdruck.
zu welchem zweck und ende sollten politische vertretungen im parlament und in den gremien der regierungen noch sitzen, scheinen sich ganze heere von wahlberechtigen zu fragen. gerichte verhandeln unglaubliche verfehlungen von führungspersönlichkeiten angesehenster banken. die frage, wieso hat niemand von den unfaßbaren unregelmäßigkeit wind bekommen, und wenn doch, wieso hat niemand eingegriffen. gleichzeitig werden millionenverluste einer weiteren privatbank aktenkundig, das letztendlich den zahlreichen kleinaktionären am allermeisten schadet. in diesem fall scheint die verantworliche managerkaste der bank nicht nur schadlos sondern mit einigem privaten gewinn sich aus der affäre ziehen zu können.und die politiker hinterlassen zur zeit ob dieser turbulenzen einen völlig hilflosen eindruck. vorschläge, ob brauchbar oder nicht, werden von den jeweiligen mitbewerbern, wie der neue, politisch korrekte terminus für die ehemalige konkurrenz neuerdings lautet, bedingungslos abgeschmettert, eben weil sie von den mitbewerbern stammen und daher per definitionem falsch und unausgegoren sein müssen. die aktuellen politikerköpfe, die das land am strome bevölkern sind völlig bar jeder vision und vorstellung wie und wohin sich dieses land jenseits des ereignishorizontes legislaturperiode hinentwickeln könnte und sollte. unbequeme wahrheiten werden dem volk, wenn überhaupt nur portionsweise und unvollständig serviert. "die wahrheit ist dem volk zumutbar" dieser satz gilt, falls er überhaupt einmal gegolten hat, schon lange nicht mehr. der gemeine politiker fürchtet den wahltag, mißtraut dem wählenden und unterstellt diesem im falle seiner niederlage sogar irrtum in eben seiner wahl. bei genaueren blick auf die sachlage stellt man fest, die regierungen verfügen nicht mehr über jene potenz, um gerade wirtschaftliche probleme eigenhändig zu lösen. zu sehr hat sich die wirtschaft internationalisiert in den letzten dekaden, nationale regierungen haben wenig handhabe, den konzernen wirkungsvoll entgegenzutreten. gleichzeitig entfernten sich die konzerne selbst vor ihren althergebrachten führungsformen; an stelle von charismatischen firmeninhabern sind mehr oder weniger namenlose aktionäre getreten, deren primäres ziel der preis der aktie und die höhe der dividende ist. als vertreter der aktionäre übernehmen aufsichtsräte die leitenden funktionen innerhalb der firmen, und delegieren sie an hochbezahlt manager, die meist mehr um ihren eigenen ruf, als um die ihrer firma bemüht sind.den politiker sind die gegenüber der firmen verlustig gegangen, mit wen sollten sie noch über standorte, tarifverträge und arbeitszeiten verhandeln, da sie selbst teils aus staatlicher notwenigkeit (der staat hat kein geld mehr) teils aus modischem opportunismus ihren bürgern aktien zur rentenansparung geraten haben. und aktionäre haben eigene interessen, siehe oben. vielerorts wird nun das ende der parlamentarischen demokratie propagiert, oder zumindest diskutiert. wahr ist wohl, daß in zeiten der verunsicherung und des wirtschaftlichen niederganges, in dem wir uns zweifellos befinden, der ruf nach starke und eindeutige losungen durch führungspersönlichkeiten laut wird. dieser ist auch berechtigt, an deren losungen kann sich die gesellschaft wieder reiben und positionen für oder wider bezogen werden. ein ewiges herumlavieren in der neuerfundenen mitte, die möglichst niemand auf die hühneraugen treten will, nützt in so einer situation niemand. mögen sie doch herauskriechen aus ihrer geschützten deckung, all jene, welche die demokratischen institutionen immer schon als einen makel der modernen zeit gesehen haben. all jene, die lieber nach der pfeife eines gestrengen trainers tanzen, als eigenverantwortung für ihr handeln tragen wollen. zumindest wäre das ehrlicher und man könnte wieder leichter streiten.

15 Juli 2008

über auf- und abregungen, eine anregung


das hohe und heilige land ist zur zeit in heller aufregung, die federn notorischer und sporadischer leserbriefschreiber rauchen aufgrund heftigster nutzung, und vielleicht raucht auch der groll mit, den ihre benutzer hegen. verletzung religiöser gefühle ist noch der harmloseste vorwurf jener vor geifer und galle strotzenden gegner jener unscheinbaren skulptur, die zur zeit im bozner museum für moderne kunst, dem museion, ausgestellt ist. die befürworter hingegen sehen sich in der freiheit der kunst eingeschränkt, wettern gegen mittelalterliches vokabular und methoden und fordern ein dringendes machtwort der politischen kaste.
worum geht denn überhaupt. außenstehenden scheint der aufruhr ein wenig eigentümlich erscheinen. eine gitftgrüne plastikskulptur ist da ausgestellt, sie zeigt einen gekreuzigten, die zunge heraushängenden, frosch der einen bierkrug und ein ei in seinen froschpratzen hält. seine bekleidung, klingt bei einem frosch doch sonderbar, reduziert sich auf einen simplen lendenschurz.
als vor kurzem ein heftiger hagelschauer über das land hinwegzog, und einigen schaden im sektor der landwirtschaft anrichtete, vermutete eine der leserbriefschreiberinnen sofort den zorn des herrn, ob der oben beschriebenen provokation, der sich hier über die sündige stadt entlud. und, es kann noch mehr werden, denn gottes zorn ist bekanntlich unermeßlich. aber gott sei dank haben sich wackere zeitgenossen gefunden, die zum öffentlichen und allwöchentlichen rosenkranz beten aufgerufen, um den herrn zu besänftigen und dem lande milde zu stimmen. zu diesem ruft ein ehemaliger geschäftsmann auf, der in seiner vergangenheit mit so mancher unsozialen maßnahme gegenüber seinen mitarbeitern aufgefallen ist. ein schelm der hierin eine gewissen- und öffentlichkeitswirksame maßnahme sieht. auch das lendentuch des frosches ist so mancher gläubigen person ein dorn, wenn nicht ein ganzer dornenkranz, im auge. sind doch lendenschurze bei fröschen bislang noch nicht von den biologen beschrieben worden. ein manko, wie man sieht.
das ganze ist ein linguistisches, eigentlich genauer ein semiotisches problem. was ist also passiert, nun es wird das denotat mit dem konnotat verwechselt, das bezeichnete wird via ähnlichkeitsschluß mit einem objekt aus einem verwandten begriffsfeld verwechselt. die obgenannte skulptur bezeichnet nun mal (bzw. stellt dar) einen giftgrünen frosch mit ei und bierkrug, an einem holzkreuz angenagelt. wahr ist wohl, daß die ähnlichkeit mit einem bekannten zeichen der westlichen kultur (ohne bierkrug und ei) sehr nahe liegt, aber eben nicht, und das ist der springende punkt, nicht das selbe ist. oder anders formuliert der giftgrüne frosch ist nicht jesus am kreuz, sondern eben ein frosch der jenem halt ähnlich sieht, allzu ähnlich für die geiferer. stimmt schon, etwas wird sich der bildhauer schon dabei gedacht haben, warum die ähnlichkeit doch etwas frappant ausfällt, wohl kaum aber um die platte aussage zu treffen, der gekreuzigte sei ein giftgrüner frosch. im übrigen sind die untaten und schmähungen im namen des herrn im laufe der zeiten durchaus übler ausgefallen, als eine simple darstellung eines frosches.
man wird den eindruck nicht los, hierbei handelt es sich um eines medial herbeigeschriebenes und willkommen geheißenes ablenkungsmanövers, nach dem motto, hast du innenpolitisch ein größeres problem (in südtirol ist gerade wahlkampfzeit und die einheitspartei ist mit massiv bröckelnder zustimmung konfrontiert), entfache einen außenpolitischen ablenkungskrieg. das eint das p.t. wahlvolk. und hurra, es funktioniert auch mit fröschen. das interessierte und weniger inderessierte wahlvolk ist dem frosch sozusagen auf dem leim gegangen.
über kunst soll und darf diskutiert werden, man sollte doch seine argumente abwägen, ein hagelschauer als strafe des herrn zu apostrophieren erinnert doch sehr an die zeiten der inquisition. gut, damals ist man für weit geringere taten am scheiterhaufen gelandet, aber wer will das schon zurück? viel sinnvoller wäre es, den p.t. politikervolk genauer auf die finger zu schauen, was diese so den ganzen lieben langen tag so tun und unterlassen. es könne ja sein, daß sie sich ob des ganzen theaterdonners sich heimlich ins fäustchen lachen und dabei froschschenkel verspeisen. na wohl bekomms.

09 Juli 2008

über heiße sommer


es hat sich also schon herumgesprochen, dies wird ein heißer sommer werden. nicht nur klimamäßig feiert die hitze fröhliche urstände, nein auch die politische landschaft trägt ihr schärferl zur allgemeinen erwärmung bei. das eine geht, das andere kommt. so läßt sich wohl am kürzesten die entwicklungen in der bundeshauptstadt wien zusammenfassen; das eine die europameisterscahft im männerfußball ist kaum vorbei, die sogenannten fanzonen sind noch nicht einmal zur gänze abgebaut, provoziert eine dunkle politische macht neuwahlen, die wie ein gewitter über das land brechen; und erneut die straßen mit sprüchen und visagen zuplastern. in der tat, just in jenem moment, in dem der vizekanzler den zugegebenermaßen passenden satz von seinem stapel ließ, "es reicht!" türmten sich drohend dräuend dunkle gewitterwolken über das parlament und ein platzregen ergoß sich über die gierig wartende medienmeute. hat dieses bild symbolcharakter für den ausgang dieser zumutung genannt wahl. ja, anders gefragt, haben wir denn überhaupt eine wahl? 
diese frage mögen sich die federbewehrten tirolerhüte fragen, die nun einen landeshäuptling ihr eigen nennen, der gar nicht dem plebs zur ankreuzung vorgeworfen wurde. er wurde (man verzeihe diese fußballerische diktion, sie hat sich gegen meinen willen aufgedrängt) in der nachspielzeit eingewechselt.
möge uns diese vorgangsweise in der nationalratswahl erspart bleiben. man kann einen fliegenden wechsel der spitzkandidaten nach geschlagener wahl nie ausschließen. neuerdings beschwört so mancher das drohbild der italienischen zustände herauf, die dem land erspart werden sollten, liebäugelt aber mit der unumschränkten kapital- und medienpotenz einer jener führenden italienischen politiker, die dem publikum als persona non grata präsentiert werden. jener hat im gegensatz zu seinen österreichischen amtskollegen den vorteil, daß er erst gar keine leserbriefe schreiben muß, um seine sichtweise der zukünftigen außenpolitik seines landes zu diktieren, es reicht ein telephonat mit der chefredaktion. schließlich hat man als geldgeber doch da und dort ein wörtchen mitzureden.
zur zeit wird umseitig vor zu exzessiven und teuren wahlversprechungen gewarnt, das p.t. politik interessierte wahlvolk denkt sich dabei, was solls, die werden ja sowieso nicht eingehalten. druckerpressen nehmen ihren dienst nun auf, im minutentakt werden hochglanzbroschüren, flugzettel und visagenplakate gedruckt. die werbebranche freut sich über mehreinnahmen, allein papier ist bekanntlich geduldig, und das langzeitgedächtnis des p.t. wahlvolk ähnelt auch zusehens einem beliebten haushaltsgegenstand, das von keiner studentenwohnung mehr wegzudenken ist: dem nudelsieb. "ich bin des treibens müde" denkt sich wohn nicht nur der eine oder andere große literatenkopf, sondern wohl vermehrt auch der klassische untertan, der per definitionem regiert werden will. es scheitert zusehens am regieren, und wenn das eine fehlt, wird der andere auch seiner rolle als untertan überdrüssig, und verabschiedet sich sonst wohin. und genau dieses wohin beginnt die herren und damen spiundoktoren und politikberater zu interessieren. die frage der stunde lautet: wie um alles in der welt kriegen wir das wahlvolk in die für diesen vorgang vorhergesehenen vorzimmer? 
es ist schließlich sommer, und wir haben nun wirklich was besseres zu tun, als den marktschreiern mit ihren vollkommen irrelevanten schlagzeilen (sie nennen diese ihre politischen eckpfeiler) zuzuhören. das meer ruft, der wohlverdiente strandsurlaub, meinetwegen auch eine sommerfrische hoch in den bergen bei resi und zenzi, aber doch nicht in der drückenden hitze der stadt, wo  der schwarze willi und der blau heinzi einander wechselseitig des verräterums bezichtigen un wo der rote werner und der grüne alex linken high noon antreten, den hut tief in die augenbrauen gezogen, mit zumindest einer kippe im mundwinkel. ... ach ja der orange peter, den hätt ich ja fast vergessen, was macht der? viel heiße luft verbreiten wahrscheinlich. 
mir wird es zu bunt hier, ich bin auf urlaub. in den farbenfrohen, erfrischend kühlen bergen.

03 Juni 2008

über stellen

im detail, so weiß der volksmund, im detail steckt er, der leibhaftige, der klumpfuß, der gehörnte. na, dann lassen wir ihn herein. mal sehen was er uns heute so mitbringt. dieser schalk, der er ist, der bockfüßige bringt nichts mit, nein er stellt. und was er damit anstellt. halt, nicht so schnell, jetzt sind wir schon mitten im thema, dem stellen.
beginnen wir doch gleich mit dem eben genannten, dem an-stellen. der geneigt leser möge doch zugeben, das ist ein großartiges wort. man kann das radio anstellen, den fernseher, einfach durch drehen (eher früher) oder drücken (eher heute) eines knopfes. schon ist seine  freizeit gerettet, will heißen  durch wort, klang oder bild ausgefüllt, über deren qualität läßt sich freilich trefflich streiten. ich will hier, bei gott, keine diskussion über den qualitätsverfall der medien anzetteln, das soll an anderer stelle besprochen werden. man kann aber noch einiges anderes anstellen. untaten beispielsweise, was wären die erzählungen der erwachsenen, namentlich zu späterer stunde, in denen der alkohol schon greift, ohne die anekdoten aus der jugendzeit, was man nicht alles angestellt hat. größere und kleinere lausbubenstreiche, die mit der distanz immer lustiger und ja auch immer ausgeschmückter werden. wie die gefangenen fische der leidenschaftlichen angler halt. falls man keine zum besten geben kann, möge man sich doch an der kasse des örtlichen kabaretthauses anstellen, um sich inspirieren zu lassen, aber bitte in zweierreihen. so wie sich das gehört.
man kann aber auch auf-stellen. ganz harmlose dinge beispielsweise, wie bleisoldaten des herrn sohn, die leider in der leidenschaftlich geführten schlacht (um)gefallen sind. oder man versuche doch seine eigene familie in den einschlägigen seminaren aufzustellen, die es mittlerweile durchaus in einer vielzahl gibt. dabei ist eine portion hausverstand und skepsis durchaus angebracht, außer man will unbedingt diverse blaue wunder erleben. oder auch aus-stellen, dazu habe ich mich bereits ausgelassen.
da laß uns doch lieber eine pizza be-stellen, wenn möglich per express, damit der käse noch schön weich bleibt, oder aber jenens super t-shirt des neuen katalog von, ähm wie hieß nochmal die firma ... blöd nur wenn vor lauter bestellerei bei diversen versandhandelsketten die eigen kohle derart schrumpft, daß nur noch der privatkonkurs das allerschlimmste verhindern kann. 
vielleicht sollte man diese praxis doch rechtzeitig ab-stellen, um das finanzielle gleichgewicht wieder her-stellen? ich will hier niemanden etwas unter-stellen, schon gar nicht diverse schulden, doch handelt es sich hierbei um eine gängige praxis, wer einmal die notverkaufssendungen im tv gesehen hat, wird mitr recht geben, es scheint sich hierbei um einen künstlich herge-stellten konsumwahn zu handeln. 
das muß man unbedingt um-stellen., andernfalls wird man stante pede ins irrenhaus über-stellt. auch nicht lustig.
ja ja ist schon gut, ich stelle mich der höheren gewalt und stelle das gestell nun ab.

25 April 2008

über aus-stellung

"ein männlein steht im walde, ganz still und stumm, es hat aus lauter purpur ein mändlein um.", so berichtet ein altes kinderlied aus anscheinend fernen tagen. es erzählt von einen männlein das da still und stumm im walde steht und nur mit einem purpurenen mantel bekleidet ist. ein pilz, genauer ein fliegenpilz wird hier protagonist eines liedes.
das ist heute viel zu fad, was: alleine, wie: stumm, wo: nur im wald, nein damit kann man keinen blumentopf mehr gewinnen. in unserer kultur, in der die wichtigste währung die aufmerksamkeit und die auftrittsminuten im fernsehen sind ist so ein lied schon fast ketzerisch. wollen wir es also dem zeitgeist entsprechend umformulieren.
"ein männlein steht im kunsthaus ganz laut und dumm. es hat aus lauter gar nichts ein nacktkleid um. sag was mag das männlein sein, das da steht im kunsthaus rein". die momentan allseits beliebte  kunstform der performance begegnet den p.t. kunstbesucher derzeit auf schritt und tritt. merkmale dieser neuen schaffenskraft sind ein oder mehrere protagonisten, die mit mehr oder weniger (meistens weniger) kostümen, sich verzweifelt daran abrackern, das p.t publikum zu schockieren. flankiert werden die darsteller, (die eigentlich keine darsteller sein wollen, sondern eben künstler) von kameras, welche das geschehen hautnah verfolgen und direkt auf eine leinwand hinter oder neben den künstlern projizieren.  das geschehen wird hier praktisch gedoppelt durch den auftritt der figur und dessen abbild auf der leinwand. so weit so fad. warum aber fad. nun, das hängt wohl mit der sinnleere des dargestellten zusammen, man kann sich oft des eindruckes nicht erwehren, der sinn der vorstellung liege in der präsenz des künstlers im öffentlichen raum. und nur das, d.h. eigetlich will der/die künstler nur auf einen bühnenähnlichen raum und suche verzweifelt nach einen vorwand, der ihm/ihr das ermöglicht.
ich kann dieserr vorgehensweise keinen vorwurf machen, die vorbilder für ein derartiges vorgehen finden sich zuhauf. ich denke da an die unsäglichen riesigen plakatwände, die irgend einen billigen und meistens blöden vorwand suchen, in riesigen lettern den firmennamen und das produkt in den öffentlichen raum zu pressen. ich habe mich schon mal an anderer Stelle über dieses phänomen ausgelassen. die penetrante präsenz von nichtssagenden sog. skandalnudeln im öffentlich rechtlichen und privaten fernsehen tut ihr  übriges. da sitzen menschen "mit schicksalen", laut  eigendefinition der jeweiligen sender und lassen der mehr oder weniger interessierten öffentlichkeit an diesem schicksal teilhaben. so als eine art öffentliche psychotherapie. diese werden dann an andere stationen und sender weitergereicht und erlangen, und um das geht es ja, einen gewissen bekanntheitsgrad.
nicht die wichtigkeit oder brisanz der aussage steht im vordergrund, sondern allein die aus-stellung des eigenen seins, eigentlich der eigenen unzulänglichkeit. ich habe auch nicht mehr zu sagen als ihr, seht her, ich bin einer von euch. das heißt, jeder der zuschauer könnte jederzeit den platz vom zuschauenden mit jenem des zugeschauten wechseln. somit ist das geschäft der öffentlichkeit demokratischer geworden. bewundert wird, wenn überhaupt noch irgendetwas, die courage, dort zu stehen und die aufmerksamkeit auf sich zu kumulieren. 
die p.t. kunst- und kulturschaffen mögen sich des alten kinderliedes entsinnen und ein resümmee ziehen: wer nichts zu sagen haben sollte, der möge doch, im interesse von allen, schweigen. aus anstand.

16 April 2008

über glatzen


"il lupo perde il pelo, ma non il vizio" weiß ein italienisches sprichwort, will meinen: eine katze läßt das mausen nicht. wörtlich übersetzt heißt das sprichwort: "der wolf verliert zwar sein fell, nicht aber seine untugend".
der neuen ministerpräsident jenes landes, dessen provenienz das obige ist, dieser nun ist so ein fellverlierender wolf. um sein verbleibendes fell, ähm entschudigung, haarkranz  war natürlich gemeint, zu retten, hat er sich schon transplantationen selbiger unterzogen und dies auch freimütig öffentlich eingestanden.  über dieses (f)akt ist bereits reichlich diskutiert worden, und soll daher an dieser stellen nicht weiter ausgeführt werden. 
viel interessanter aber gestaltet sich die frage nach den "vizi", den untugenden, die ja in reichlicher zahl zu finden sind. erinnert sich der deutsche sozialdemokrat und damalige parlamentssprecher des eu-parlaments schmidt an einen der typischen berlusconianischen witze? er schlug diesem vor, ihn für die besetzung einer filmrolle, jener des capo eines konzentrationslager, zu berücksichtigen. oder kennt noch wer den mussolinigruß neben den faschistendenkmal "siegelsplatz", mit dem er anläßlich eines besuches  in bozen seine gesinnungsfreunde dort begrüßte, ein witz, wie er späte beteuerte. nur eine person hat es bisher geschafft, den wollverlierenden wolf zu einer öffentlichen entschuldiung zu zwingen. seine eigene frau! sie warf ihm in einem öffentlichen brief an die linksliberale römische zeitung vor, ihre ehre als ehefrau diskreditiert zu haben,  weil er einer blonden statistin in einem tv-studio angeboten hätte, diese zu heiraten und mit auf eine einsame insel zu nehmen. er hat sich entschuldigt, ebenfalls in einem offen brief, öffentlich abgedruckt. nicht die tatsache, daß da öffentlich persönliche schmutzwäsche des berlusconianischen ehelebens gewaschen wird hat beeindruckt, sondern die tatsache: seinen ehefrau war bis dato die einzige, die dem wölflein ein eingeständnis abgerungen hat: seine witze gehen prinzipiell immer auf kosten von anderen. und dieser andere hat das recht, wenn nicht die pflicht, sich zu wehren und den angreifer, den solche üblen witze sind immer auch gleichzeitig ein angriff, in dessen schranken zu weisen. nur geschieht dies halt selten.
und nun gibt sich silvio am morgen nach geschlagener wahl geläutert, das wölflein scheint kreide gefressen und den schwanz eingezogen zu haben: "ich werde ein anderer ministerpräsident sein als 2001" raunt er seinen geislein zu, "ich werde die probleme des landes lösen". ja, fehlt nur noch, daß er dem p.t. wahlvolk eine manikürierte hand reicht, um seines wölfische prinzip zu kaschieren. im gegensatz zum anklingenden märchen wird er wohl kaum das p.t. wahlvolk verschlingen, da überschätzt man seine verdauung doch beträchtlich. aber er wird weiterhin das land als ein ureigenstes interessengebiet ansehen, italien als erweitertes fininvest-projekt sozusagen. desgleichen wird er seine person und seine kaufmännischen interessen vor der ungebetenen jurisprudenz durchaus zu schützen wissen, all jene verfahren, die noch gegen seine person und seine gefolgsleute anhängig sind, (und das sind noch einige) werden in den nächsten wochen auf ganz überaschende weise gütlich beigelegt werden. (verjährung oder sonst was, es wird der neuen regierung schon was kreatives einfallen, um die verfahren zu stoppen). genau so, wie er es die beiden vorangegangenen amtsperioden auch gemacht hat.
warum sollte er auch anders handeln, um in den geschichtsbüchern lobend erwähnt zu werden?ach was, dieser mann hat ein imperium aufgebaut, glaubt irgendwer auf dem planeten, daß dieser sein imperium, das nun in den händen seiner kinder ruht, daß dieser ebendieses riskiert,  um des guten rufes willens. "ist der ruf denn ruiniert, lebt es sich recht ungeniert", wie ein weiteres sprichwort zu sagen pflegt. warum sollte ein 71 jähriger mann plötzlich vollkommen entgegen seinen bisherigen prämissen handeln, weil er es nur vor laufender kamera verspricht. glaube das wer will, die fakten sprechene einen andere sprache.
dem wölflein werden wohl keine neuen haare wachsen, das fell wird wohl dünner werden, sein "vizio", seine absichten, hat der mann deswegen noch lange nicht geändert.

15 April 2008

über ausgänge und auswege

es gibt gebäude, vorzugsweises viele neubauten - also gebäude neuesten datums, da fällt der eintritt in das mehr oder weniger große haus leicht, einladend große tore, die sich noch dazu automatisch öffnen. aber, den ausgang vermag man partout nicht zu finden. so z.b. das neue spitalsgebäude in innsbruck. man irrt also zwischen beton und glas herum, glotzt durch die riesigen durchsichtigen fronten, vermag das ziel - die außenwelt gut auszumachen, allein, glas ist hart. man entdeckt immer neue wege und gänge und fragt sich verwundert, ob man doch irrtümlich sich in einer mittelalterlichen stadt wiederfindet. nicht immer, wo man leicht hineinkommt, kommt man auch wieder leicht heraus. ich bin versucht, die behauptung aufzustellen, es hat was gesetzmäsiges, überall wo man leicht eintritt, fällt der rückzug besonders schwer.
das gilt nicht nur für physische gebäude, sondern auch und vor allem für politische entscheidungen. nun hat das p.t. wahlvolk, allesamt ausgezeichnet mit einem italienischen paß, entschieden. und wie! sie hat hrem rattenfänger zum dritten(!) mal eine satte mehrheit verpaßt, er mag nun, da er sich am morgen nach der wahl geläutert gibt: "ich werde nicht der ministerpräsident sein, der ich während der letzten amtszeit war." naja, geht ja auch schlecht, viel zeit ist dazwischen vergangen, er ist um einiges älter geworden und  die politische landschaft hat sich auch geändert. aber, es gebietet die höflichkeit, (welche der gewählte herr nur in ausnahmefällen kennt), diese ansage vorderhand ernst zu nehmen. was ändert sich also, scheinbar nichts. die regierungskoalition ist dieselbe wie während seiner letzten regierungsperiode. seine eigene partei (oder doch firma?) regiert nun mit den zentristisch eingestellten neo(wandel)faschisten, (deren spitzenpolitiker fini eine der erstaunlichsten wandlungen vollzogen hat) und der separatistischen lega nord. diese hat, man höre und staune, ihr wählervotum im vergleich zur letzten wahl, verdoppelt. und das, obwohl ihre spitze, aufgrund eines hirnschlages, für lange zeit im wahrsten sinn k.o. lag und überdies kaum in den öffentlichen medien in erscheinung trat. aber der norden, vor allem die regionen lombardei und venezien, scheinen ein undefinierte angst in ihrem nacken zu spüren, die sie bewogen, für ihren eifrigsten rächer und kämpfer zu votieren. dagegen steht die alleanza nazionale, für die eine jegliche form von separatismus oder auch nur regionalismus ein rotes tuch ist. der süden fürchtet sich abgeschnitten von der staatlichen autorität und seinen vollzugorganen, namentlich judiskative und exekutive, wohl auch vom finanzstrom, falls auch nur das böse a- wort, autonomie und r- wort regionalismus in den mund genommen wird.
und so wird die regierung weiterwursteln wie bisher, da ein reförmchen, dort eine gesetzesänderung. der paragrafendschungel, wo der wildwuchs fröhliche urständ feiert, wird wohl kaum eine machete und motorsäge zu sehen bekommen.
der ausweg aus dieser sackgasse wir wohl ähnlich schwierig sein, wie aus so manch einem modernen gebäude. genaugenommen wahrscheinlich schwieriger, möchte ich vermuten. da muß die herrschende kaste und auch das p.t. pubblico auf liebgewonnene privilegien und vorteile verzichten und wieder einmal eine ganz neue tugend an den tag legen, die heutzutage fast schon vergessen zu sein scheint: rücksicht auf das allgemeinwohl. also abkehr von dem allseits propagiertem egoismus. sonst bleibt nur ein ausgang, den über die staatsgrenze.

14 April 2008

über "schon wieder waalen"

also was jetzt, der souverän hat seine meinung nicht richtig kund getan, er möge doch bitte sehr noch einmal sprechen? nach nur zwei jahren versucht italien also erneut wieder eine stabile, klingt fast wie ein hohn, mehrheit in parlament und senat zu finden. man ist versucht, genervt und angewidert ihnen den rücken zu kehren, mögen sie doch suchen, sie werden keine finden, weil es die stabilität in dem land schlichtweg nicht gibt. aber so einfach ist es leider auch nicht.
das brechtsche diktum, "und wenn die mächtigen mit den untertanen nicht zufrieden sind, dann mögen sie sich doch ein neues volk wählen" ist hier so aktuell wie selten. bloß entstammen die sogenannten mächtigen halt auch aus dem selben volk, will heißen, sind aus dem selben holz geschnitzt. und gleich wie landsmännische holzfigur, der zum unterschied zu den ersteren bei groben lügen die nase wächst, erwachen beide zu leben, und werden sehr umtriebig. man verspricht, ja das blaue vom himmel oder das azzurro von ebendort, wer es poetischer mag, man gibt sich betont leger, feixt, erzählt dem versammelten p.t. pubblico tumbe witze, und verhält sich insgesamt ganz normal korrupt, so als wäre es das normalste der welt, gegendienste für seinen beruf zu verlangen. schon eigenartig.
willkommen also in einem land, das den ausnahmezustand zum normalzustand erklärt hat. das sich schlachtfeste in fußballstadien erlaubt, deren schlachtenbummler ihren namen noch gerecht werden, das steuern fast notorisch prinzipiell im nachhineine zum ermäßigten tarif via straferlasse zahlt, das sich von einem schmarotzerischen substaatlichen gebilde, die mafia in all ihren ausprägungen, nicht und gar nicht lösen kann. dessen kritische intellektuelle stimmen (gibt es diese überhaupt noch?) nicht über den brenner herüberhallen.
was soll man da bloß machen, fragt man sich ob der fragen verzweifelt. klar, man muß was tun, bloß was? die deutschen fastnachbarn bitten, das land einzunehmen, wie beppe grillo in einem aufruf, abgedruckt in der "zeit" gefordert hat, oder wie es eine verzweifelte wählerin in sizilien formuliert hat: man muß italien unter die oberhoheit der eu stellen. 
soll man tatsächlich dem land die nationalstaatliche souverentität nehmen? das ist allerdings starker tobak für die machistischen tendenzen des landes. betrachtetman die politische sache und die geschichte des landes näher, erschließt sich sehr rasch, das sie nation italiens eine ziemliche fiktion des 19. jh. ist, die genaugenommen noch immer nicht wirksam wurde. zu beginn des 19. jh. war das land noch tief gespalten, zwischen habsburgerischen territorialansprüchen im norden (venedig und mailand), kirchenstaat und bourbonen im süden. binnen weniger jahren wurde das land geeint und federführung des piemontesischen königreiches. aber, auch heute noch legen die einwohner der jeweiligen städte, wie mailand, venedig, rom, palermo etc. die patronanz ihrer unmittelbaren herkunft zu sein, und erst in zweiter, wenn nicht gar in dritter hinsicht italiener zu sein. der staat ist weit weg, nicht nur in den köpfen des "meridione" des südens, auch in jenes der nördlichen länder. daher ist es auch verständlich, wenn es als kavaliersdelikt gilt, den staat als solchen zu betrügen, vermutet man doch selbiges auch von diesem. um die starken zentrifugalkräfte, die seit anbeginn der einigung italiens herrschten einigermaßen zu unterdrücken, verordnete sich das land einen mächtigen zentralstaat, mit einem absurden auswuchs an bürokratie. so dauerte die erstellung eines passes, der selbstverständlich in rom erlassen  wurde, egal wo der antragsteller seinen wohnsitz hatte, ob am brenner oder in sirakusa in sizilien, durchaus ein halbes jahr. das nur ein willkürliches beispiel. mit einer hamme speck ließ sich dieser vorgang entscheidend beschleunigen. 
die medizin, die dem kranken mann italiens verschrieben werden muß wird äußerst bitter und langwierig. sie heißt, eintritt in die europäische normalität, ausweitung der selbsverwaltung der kommunen und vor allem, die bewohner sind aufgerufen, ihre staatsbürgerlichen pflichten ernst zu nehmen. 

18 Juli 2007

über die hitze

hurra, wir können von rekorden vermelden. höchste je gemessene temperaturen, wärmstes jahr überhaupt. gemessen an den durchschnittstemperaturen. gletschereis und wasserreserven schmelzen gleichermaßen dahin, so wie die vanilleeistüten, bloß hinterlassen erstere keine klebrigen abdrücke. zweitere hinterlassen einzig und allein bedrohliche fehlstellen, die alle daran erinnern, daß da mal was war. die bauern in den bergregionen sorgen sich jetzt schon um die bewässerung ihrer felder und obstanlagen, ganze landstriche drohen zu vertrocknen. das wäre doch auch wieder eine höchstleitung. so wie damals 2002 als der po in italien fast völlig ausdttrocknete, wo einst ein breiter strom sich durch die gleichnamige tiefebene schängelte, fand man nur noch ein unansehnliche und wahrscheinlich gesundheitsgefährdende stein- und staubwüste. schauriger rekord, wahrlich. doch wie so oft bei rekorden, sei werden vergessen, die folgenden jahre waren anders, und der trockene po viel dem kollektiven verdrängen zum opfer. was nicht unmittelbar sichtbar ist, das ist nicht.
inzwischen wimmelt es in der welt nur so von klimagipfels, kundgebungen, konzerten für den klimaschutz und verwandten und bekannten veranstaltungen. man soll jetzt bitte nicht sagen, dies würde sowieso alles nichts bringen, da würden sich eine reihe von illustren zeitgenossen zu positiven persönlichkeiten hochinszenieren. aber nicht doch, alles was der sache nützt, kann gar nicht schädlich sein.
so ungefähr kann der einwand wohlmeinender menschen sein, denen die sache durchaus am herzen liegt. fakt allerdings ist, die derzeitigen saunaartigen zustände sind humanproduziert, nicht mal mehr dieser these feindlich gesonnene individuen wagen es, öffentlich das gegenteil zu behaupten. was aber auch nicht heißen muß, das sie völlig falsch liegen. in zweiten einer kollektiven viertelpanik, das zur zeit der klimawandel darstellt, gilt jede vm common sense abweichende meinung als höflich formuliert, unerwünscht, und wird dem entsprechend bekämpft, auch wenn sie sich einer gewissen plausibilität erfreut.
in diesem fall ist es ziemlich sicher, daß mit einer portion anstrengung und auch ein großes maß an eigenverzicht seht viel unheil sich leicht abwenden ließe. aber hier gilt das gleiche prinzip wie im dopinggebeutelten radsport, wer beginnt, hat zumindest am anfang keinen greifbaren vorteil sondern nur einen sichtbaren nachteil. und um ehre, gutem ruf und ebensolchem gewissen gehts in unserer industriegesellschaft, trotz der penetranten betonung des gegenteiles nicht. wiederum siehe radsport oder einfach die letzten großen wirtschaftsprozesse, ja genau z.b. bawag. also wer beißt als erstes in den sauren apfel und verzichtet auf kollektive automobile und ähnliche bequemlichkeiten. ja, das würden wir schon, wenn (kann man bitte mal den konjunktiv zumindest für eine zeitlang außer kraft setzten, kann das jemand mal veranlassen?)
und so werden wir uns halt weiterhin von grenzwertbeschlüssen und deren nachträglichen korrekturen weiterhanteln, bis es halt gar nicht mehr geht. dann aber, und da bin ich mir sicher, werden die rekorde nur merhr so purzeln. bin gespannt auf welchem papier diese dann gedruckt werden.

30 Juni 2007

über die zahlen

das wohl typischste merkmal unserer zeit ist die zahl. allüberall tritt sie uns entgegen, ob in breiten lettern als preisauszeichnung von akquisierbaren waren, als einheiten sportlicher höchstleistungen, als grade zur messung der menschlichen intelligenz. es gibt wahrlich nichts, wsa nicht gemessen, berechnet oder evaluiert wird. zahlen, zahlen allüberall zahlen. es hat den anschein, als wären wir im zeitalter des ausgehenden rationalismus zu bekennenden plationikern geworden, jenes griechischen philosophen, der in den zahlen die höchstmöglich abbildung göttlichen seins sah.
wir ranken uns gegenseitig in gazzetten, seinen es nun literaturbestsellerlisten oder die 100 wichtigsten künstler des landes, oder neuerdings, wie oft wird man selbst von der suchmaschine google gefunden. 1.000mal, 10.000mal oder gar 100.000mal. das sind endscheidende aussagen zur eigenen person, ich denke, in zukunft wird im paß nicht bmehr das geburtsdatum sehen, sondern das google suchranking, dann kennt jeder, den diesen paß sieht, um das gesellschaftliche ansehen der betreffenden person.
da findige wissenschafler jetzt auch noch vorgeben, die berechnungsformel für die attraktivsten kurven weiblicher schönheit gefunden zu haben, scheint es lediglich eine frage der zeit zu sein, wann den die ultimative quantitativ erfaßbare meßgröße für kreativität und individualität auf den nteressierten markt geworfen wird. jeder kann dan zuhause, anhand einfacher parameter, seine begabungen errechnen, und mit dem zustande gekommenen ergebnis hausieren gehen. man nehme eine handvoll jobbewerber, füttere einen großcomputer mit einer reihe von eckdaten dieser bewerber, harren einige minuten und schon spuckt die rechenmaschine den namen des geeignesten kandidaten, flankiert von seinen wichtigsten koeffizienten aus. das ganze prozedere arbeitet wunderbar objektiv und nachvollziehbar. mauscheleien und intrigen sind somit endgültig ausgeschlossen und gehören unwiderbringlich der vergangenheit an. blöd halt, wenn sich die meßgrößen selber nicht wirklich in zahlen gießen lassen, da kerativität halt ein zu weit gestecktes feld an eigenschaften ist, dem man mit paßgenauen abgrenzungen wohl kaum beikommen kann. allenfalls näherungs- und schätzgrößen werden dazu verwendet, diese aber dann auf die fünfte kommastelle genau.
in der schule ist es üblich, jeden furz, und sei er noch so stinkend, von den p.t. schülern zu bewerten, sprich diese mit einer ziffernote auszurüsten, und zu schulende den arithmetischen durchschnitt zu errechnen, der aufschluß über den lernerfolg, will heißen versetzung oder zurückweisung geben soll. gegebenenfalls kommen dazu noch abenteuerliche rundungs-koeffizienten ins spiel, die der ganzen sache noch die mathematisch- wissenschaftliche würze verleihen.
hurra, wir können messen und rechnen, hurra wir sind! heureka, wir können mit tabellen kalkulieren, der drucker spuckt bunte diagramme aus, die alles, aber wirklich alles über die betreffende frage ausagen. ob durchschnitsverbrauch an gas in einem haushalt, einkommen oder anzahl der durchschnittlichen seitensprünge. es lebe die zahl.
ich frage mich bloß, warum wir uns nicht gleichen großen recheckigen lcd-bildschirm verpassen lassen, nebst einer zentralrecheneinheit, die solche mathematischen operationen im nu erledigen. ja weg mit der menschlichen hülle, ist doch sowieso derart empfindlich und obendrein sterblich, laß uns zu einer machine umbauen, die rational und objektiv arbeiten, und obendrein derern einzelteile ersetzbar und auswechselbar sind. es lebe, ja hoch lebe die zahl.
dumm halt auch, daß eine vielzahl von nichtberechenbaren dingen dann halt flöten gehen, liebe z.b., intuition, kreativität und sprühende emotionalität. aber erlich geagt, wer braucht das schon.


03 Juni 2007

über die mobilität

heiliges mobil, gib uns unser fahrspaß heute, vergib uns unser zufuß gehen, und möge uns nie das benzin ausgehen. der heiligen kuh, dem automobil, wird wieder einmal gehuldigt. was alles suggeriert dieser blechkasten, freiheit, gesellschaftlichen status, unabhängigkeit, modernität, fortschritt (eigentlich müßte fortschritt umbenannt in fortfahrt werden, wer schreitet denn noch heutzutage). also alles eigenschaften, die als praktisches muß der heutigen zivilisation gelten.
und die schattenseiten, naja diese erscheinen als schlagzeiten in den gazzetten, wenn es ganz schlimm wird. das passiert meistens nach einem verlängerten wochenende, wenn die unfallbilanz wieder einmal gruselig in erinnerung ruft, wie gefährlich das automobil eigentlich sein kann. aber auch hier gilt. passiert nicht mir, nur den anderen. ich frage mich bloß, wer sind diese anderen, von denen man liest, daß sie nicht mehr sind. haben jene sich auch gedacht, nein kann mir nicht passieren, nur den anderen?
oh du angebetete benzinkutsche, wärst du bloß nicht so schwer, ich würd ich auf händen zur nächsten tankstelle tragen und dir mit sanften streicheln deine politur zum glitzern bringen. wie du mich so anstrahlst, mit deinen topmodischen xenon-tageslichtscheinwerfern, ich schmelz dahin, wie das jungfraueis in der derzeitigen sommersonne.
nur blöd halt, daß dein hinterteil einiges zum gletscherschmelzenden sommer beiträgt, aber dieser sound, also diese musik, die da aus den satten röhren dröhnt, wie ein open air in frauenfeld. überlegt betrachtet ist so ein mobil mehr als grenzwertig, da treibt eine maschine, die einem äquivalent einer pferdekutsche mit mehr als 100 rössern entspricht ein gestell an, das über einer tonne wiegt, nur um einen hintern zu bewegen, der selten mehr als ein zehntel davon auf die wage bringt. man stelle sich das mal vor, durch die straßenschluchten der modernen ballungszentren kurven derartige kutschen, mit einem gespann von über hundert rössern und einer gespannlänge von 200 metern. das gäbe staus, die rund um den erdball reichen würden. überall pferdemist, praktisch knietief, stinkend und dampfend wartet dieser vergeblich darauf, weggeschafft zu werden. wohin den auch, woanders siehts auch nicht anders aus.
oh du hochgelobte karosse, sei meiner gnädig, verweigere dich nicht, wenn ich den motor anstarte und uns in bewegung setze. gedenke doch meiner, ich kann mich ohne dich, ohne deinen unerschöpflichen kräfte nicht mal bewegen. soll ich denn zu fuß ins freibad gehen? bei der hitze? da hole ich mir ja einen hitzeschlag, und außerdem viel zu heiße und übel riechende schweißfüße.