14 April 2006

über die wahlen in italien

allora, sie sind also geschlagen, die wahlen in italien, das votum, ein denkbar knappes, ist zugunsten des mitte-links bündnis ausgefallen. der amtierende volkstribun ist abgewählt worden, vom volk, knapp aber doch. dieser sieht das aber nicht so, er sei, so glaubt er, um seinen sicheren sieg betrogen worden. die üblichen verdächtigen, ein nebulöses gesindel von kommunisten und linken hätten die wahlen vorsätzlich manipuliert und interveniert. was nicht sein kann, darf auch nicht sein. man beanstandete wahlzettel, zetterte und geiferte nach wiederauszählung. doch der berg der beanstandeten voten schmolz rapide in der nichtvorhandenen römischen sonne, auf daß am ende ein unbedeutendes häufchen übrigblieb, das beim besten willen keinen einfluß auf das wahlergebnis nehmen kann.
das glück ist ein volgerl pflegen die wiener zu sagen, es kommt unerwartet und überraschend, aber ebenso rasch ist es wieder dahin. was bleibt ist ernüchterung. kater, kopfschmerzen und panik. wieso gerade jetzt, alles war doch so gut geplant. der noch amtierende premier berlusconi hätte, wenn er doch die wahlen gewonnen hätte, was für ihn ja eigentlich sicher war, einen der ihm treu ergebenen gefolgsleute zum premier ernannt, und sich selbst zum staatspräsidenten wählen lassen. diese wahl ist in italien keine volkswahl, sondern sache des parlaments und der zweiten kammer, der senat; diese wählen den präsidenten, also mit dem erhofften wahlergebnis kein problem. der vorteil dieser vorgehensweise liegt auf der hand: berlusconi hätte von justiz und anderen unbillen sieben jahre vollkommene ruhe gehabt, und wäre danach automatisch zum senator auf lebenszeit berufen worden. damit ist ebenfalls eine lebenslängliche immunität verbunden, also ein recht kommodes ruhekissen für einen derart umstrittenen, um es mal höflich zu formulieren, zeitgenossen wie berlusconi. ja eben hätte und wäre. diese konjunktive, nicht nur die schüler haben ihre rechte mühe mit solchen satzkonstruktionen auch ex-regierungschefs. seine verteidigunsstrategie besteht in einem alten trick, den volkstribune häufig anwenden. bewirf deinen gegner mit allem möglichen, irgendetwas wird schon hängenbleiben. nun stand also der vorwurf des wahlbetrugs im land. das ist für eine demokratische republik keine kleinigkeit, im gegenteil, der vorwurf lautet, anders formuliert, staatsstreich. das land, im dem sich dies alles zuträgt, heißt nicht weißrussland, sondern italien, eines der gründerländer der eu. man ist einfach nur baff. sprachlos.
wieso darf das eigentlich sein. wenn ein eifacher bürger sich erdreistet, gegen die insignien des staates sich zu vergehen, also die hymne nicht kennt, oder die fahne nicht grüßt, (war schon mal thema), muß der betreffende mit massiven problemen rechnen. aber bezichtige wahlsieger deines landes als putschisten, raub dieses dein land aus, bieg gesetzte so hin, daß sie dich vor knast bewahren. kein problem
manchmal beschleicht mich der zweifel, ob die real existierende demokratie nicht doch eine riesengroße farce ist, zu dessen ritualen es gehört, mit pomp und getöse zu den urnen gerufen zu werden. ich lasse mich gerne eines besseren belehren, wenn wieder vernunft und demokratie im wortsinn, in diesem land einkehrt.

05 April 2006

über den kaffeesatz

koffein ist, das wußte man schon seit einiger zeit, der wein der philosophie. wohlan, ihr hobby-denker, nachwuchsphilosophierer, dampfplauderer und wahrheitslieber, röstet die bohnen, auf daß ihr vom wissen trunken werdet. all die guten und weniger guten sorten wie arabia, robusta und all die anderen, hortet sie, röstet sie auf kleinem feuer und trinket daraus, oh ihr wißbegierigen zeitgenossen, die erkenntnis oder zumindest die wachheit, im schlimmsten fall das herzrasen, wird mit euch sein.
ja und dann hat die ganze kaffetrinkerei noch einen entscheidenden vorteil, sie ist sozusagen ganzheitlich verwertbar. man kann den kaffeesatz recyclen! nein, nein, nicht nocheinmal verwenden und kaffee daraus pressen wollen, diese untugend ist nur in sehr schlechten und gierigen kaffeehäusern beheimatet. ich kenne ein solches haus, diese hatte einst die restbestände der kaffeemaschine im dachboden zum trocknen ausgebreitet und das so wiedergewonnene pulver einfach dem neuen kaffeepulver untergemischt. panschen nennt man das, ja panschen, pfui teufel, der kaffee schmeckte auch entsprechend übel.
nein, das war nicht gemeint, man kann was viel profitableres mit dem alten satz anstellen. darin lesen! ja ja ich habs ja gehört, was zum kuckuck soll man den in kaffeepulver lesen können? ist doch kein buch oder? nein, buch ist das keines, aber das wunderbare tor zur zukunft. man kann im kaffeesatz die zukunft lesen. ja, wirklich, und das wird praktiziert und jede menge geld damit verdient. ist doch toll, oder, das trinkt man zuerst einen kaffee, also einen denkerwein, berauscht sich daran und benützt den abfall um die zukunft vorherzusagen und kohle zu verdienen.
großartig, ja und wie geht das denn? nun eigentlich ist es ganz einfach, man braucht dazu folgende zutaten: eine kaffetasste, eigentlich klar oder? jemanden der türkischen kaffee zubreiten und vor allem trinken kann, ich kanns nicht, und ganz wichtig einen klienten, der dringenst einblick in seine zukunft bedarf, also jemanden der von seiner/ ihrer lebensliebe verlassen wurde etc. der rest ist ermessenssache. man stürzt die ausgetrunkene kaffeetasse kopfüber auf die untertasse, hebt das häferl ab und untersuche akribisch den schwarzen haufen nassem pulver, welcher da zu liegen kam. wichtig ist, im rhythmischen abstand murmelnd erstaunen zum ausdruck bringen, wie "ist ja interessant" oder "so eine überraschung", gut ist auch "das hätte ich nicht gedacht". zweck der übung ist, der klient muß vor neugierde platzen, man kann ihn ruhig etwas zappeln lassen und nur zögerlich zu sprechen beginnen. dann gilt es, sehr diplomatisch vorzugehen, die kunst besteht darin, durch geschickt ausgelegte fragen, dem klienten jene antworten herauszukitzeln, die er/sie gerne hören würde. und der rest ist einfach: man gebe triumphierend von sich, das hätte ich ja so gesagt, und das stünde alles im kaffeesatz. viel kohle ist machbar. und wenns mal nicht eintrifft, was man da posaunt hat? nun kein grund zur panik. am besten man schwadroniert irgendwas von schlechten strahlen oder kalkhaltigem wasser, welche die sicht getrübt hätte oder von den neuen chanchen, die man ja prophezeit hätte.
höre ich da jemanden abwinken: alles schwachsinn. nein keineswegs, mitnichten. das wird tagtäglich praktiziert, mit zugegeben elaborierter wirkenden praktiken, das pflegt auf den ruf wissenschaft zu hören. zukunftsforscher nennt man diesen illustren kreis der modernen kaffeesatzleser, die den geistweinhumus auf posterioritäten hin untersuchen. und sie, und das ist der hammer, werden dafür fürstlich, ja königlich entlohnt. und was tun sie, nun nichts anderes als unser freund der kaffeesatzleser, durch geschicktes fragen und zusammenfassen von allgemeinwissen derartige all-gemeinheiten zu entdecken, die zwangsläufig in irgendeiner form passen müssen. da ist dann häufg die rede vom stellenwert der kommunikation, von der importanz der direkten dienstleitungen und der notwendigkeit der kooperation. man hört auch gerne von den neuen partnerschaften, neuen dienstverhältnissen. überhaupt taucht das vokabel "neu" in ungeahnten wortzusammenstellungen auf, von denen eigentlich kein mensch sagen kann, was diese wortungeheuer eigentlich bedeuten. na wunderbar, dazu bedarf es allerdings einen zukunftssatzleser, wir armen untrunkenen unwissenden wären nie drauf gekommen. und das beste, die zukunftsforscher werden nie müde zu betonen, die zukunft fände doch gerade jetzt statt, ja in dem augenblick, wo sie diesen satz lesen, lesen sie ihn eigentlich in der zukunft. perfekt, damit kann man sichien praktikables geschäftsfeld zusammenzimmern, du liest am morgen zeitung, selbstverständlich ebei einer tasse kaffee, um 10 faßt du das gelesene zusammen, dazu kann, muß man aber nicht kaffee trinken, schaden tut es nicht, und fertig ist deine diagnose, ab mit ihr in die druckerei, solange der braten noch heiß ist. so und jetzt her mit dem scheck.
ohne die werten herren, und dafür gebührt ihnen lob und dank, würden wir die zukunft gar nicht mitbekommen.

30 März 2006

über den lenz


ein untrügliches zeichen dafür, daß das frühjahr naht, sind die zwitschernden vögel. ja ja ich gebs zu, das ist nun wirklich kein fulminanter einstieg in die frühlingsdebatte, aber wahr ist halt. oder stadtmensch? auch schon von singenden vöglein geweckt worden? übrigens hat es jenes unschuldig zwitschernde himmelswesen schon zu literarischen hochehren gebracht, schon vergessen, jaja es war doch die nachtigall und nicht die schnöde lerche, der anzeiger des morgens und damit das nahe ende der liebesnacht, zwischen romeo und julia. seither sollten alle, und damit sind wir übrigens wieder beim thema, in sachen liebesdingen tätigen personen auf die rufe der gefiederten freunde achten. sie verraten wichtige details, die manchmal lebensrettend sein könnten...
geduld, geduld, mit dem naheverhältnis zwischen liebesdingen und dem lenz werden wir uns später eingehender beschäftigen. zuvorderst eine begriffliche klärung, lenz, was heißt das überhaupt. lenzmonat, sich einen lenz machen, achja, da fällt mir noch ein lenziges vokabel ein, so ein lieblingswort: faulenzen. lenz geht zurück auf lengzo althochdeutsch für lang. damit ist die jahreszeit der länger werdenen tage gemeint, die ja in der tat merkbar länger werden. nein, ich will jetzt nicht eine debatte über die sinnlosigkeit der sommerzeit vom zaun brechen. das ist eine andere geschichte.
das ist es also, mehr zeit, ja und wo mehr zeit, da mehr muße, soviel ist klar - weil zu muße braucht es notwendig als einen essentiellen bestandteil eben zeit, in form von frei, also freizeit. und wenn nun bei zeit und muße männlein und fraulein zusammengeraten, das ganze gewürzt wird durch hinzufügen einer ordentlichen ration hormone, ja dann kommen wir auf einer direttissima zu den liebesdingen, die zwangsläufig sind mit längerwerdenden tagen. und damit verbunden, mit immer laueren abenden finden sich genügend gelegenheit der zweifachen muße zu frönen. das ist, soweit ich weiß, seit alters her so. dies belegend will ich nur das botticelli gemälde la primavera also der frühling anführen. dort wird die titelgebende figur (selbst eine allegorie) von allerhand allegorischen gestalten begleitet. nebem dem kriegsgott mars, dem windgott zephyr ist natürlich amor mit im spiel. der darf im des frühlings nie fehlen. da fällt mir noch ein sprachliches detail auf: im ital. heiß es la primavera, in dt. der frühling. die dt. sprache hat aus der linden allegorischen getalt der primavera einen herrischen gebieter des wachstums gemacht. naja, vielleicht auch notwendig im rauheren norden, wo der strenge winter mit härteren bandagen vertrieben werden muß als im linderen süden.
und was tut mars, nun der sorgt dafür, daß im garten des frühlings krieg, streit und zwietracht außen vor bleibem auf daß sich muse und lenz, also lange zeit einstellen kann. dies ist der momentanen zeit auch zu wünschen, einen mars der alle unbill abschirmt, so sich muse einstelle, anstatt zwang zur zweisamkeit, der momentan an allerhand plakaten ausgerufen wird.
wo ich das herhabe?
bitte...

29 März 2006

über die flexibilität

nun denn, es heißt ja allerorts, alles müsse sich dem neuen zeitgeist anpassen, und dementsprechend flexibler werden. flexibilität, ja so lautet das neue zauberwort, dem sich alles und jeder tuende im wirtschaftssystem unterzuordnen hat. flexi- was ist da einer versucht zu fragen, was zum geier heißt den das überhaupt? gute frage, mich erinnert der begriff an die zeichentrick- figuren der 70er jahre, die bunten barbapapas, die da sich ändern konnten, wie sie wollten barbapapas. ja so lautete das damals, ich hab den titelsong noch immer in den ohren, der wurm will wohl überhaupt nicht mehr heraus. nun denn, den herren manager und ceo's geistert wohl als wunschvorstellung der idealmitarbeiter barbapapa in ihren shareholdervalue verbrannten hirnen herum. bunt, soll er sein, stets gut gelaunt, natürlich voll motiviert und extrem anpassungsfreudig welche form und art auch immer gewünscht. (man fordert ja nicht mehr, das entspricht nicht der modernen zeit) gut ich probiers mal, bleibt mir auch nichts anderes übrig; ich bin arbeitslos, und damit nicht unbedingt am längeren ast. als erstes wähle ich die farbe grün, die strahlt moderne großstädtische energie aus, ökobewegung, kreativität und so; was nicht gut gewählt, hmm... warum denn? hää weil grün stünde im zusammenhang mit revolte der 68er und sei die farbe des islam? signalisiere wenig kontinuität? naja, hab ich nicht bedacht, also dann halt gelb, das strotzt ja so vor energie und positiver kraft, oder, schließlich zeichnet doch jedes kind die sonne, die reinform jeder energie, in gelb. auch keine gute wahl? ja was, wieso denn? zu klerikal, zu konservativ? jaja, schon die papstfahne ist auch gelb, stimmt schon, und die post auch, und die kaiserfahne auch. sehen sie! gut, einverstanden. zu guter letzt finde ich einen guten kompromiß mit meinem farbberater, wir einigen uns auf .. grau! ein guter mitelwert, tut niemand weh.
nein, das ist kein blöder jux. man vergleiche mal die farben der heutigen heiligen kühen mit jenen von vor 20 jahren, denen des autos. heute findet man überwiegend gedämpfte farben, vorzugsweise eben grau, hingegen vor 20 jahren waren viel knalligere, bunte faben in, so gelb und blau und orange und so sachen halt.
also da stehe ich nun, ich mausgrauer barbapapa, und übe mich in yogischen verränkungen, um den flexi- anforderungen gerecht zu werden, und sehe eine kolonne ebengleicher mausgrauer (manche dunkler, manche heller) barbapapas in seltsam grotesken posen sich üben. schlagartig wird mir klar, man übt, ich bin in ein coaching für arbeitslose gelandet. dem haufen der anwesenden wird eingebläut, wie sie sich auf die neue arbeitswelt vorzubereiten haben. ich wünschte, die herren groß- und feinredner des radios und fernsehens wären hier, um sich das geächze und gestöhne der verränkten menschen anzuhören, dieses wimmern der älteren körper und den eigentlich unmenschlichen stellungen. aber diese, deren arbeitsplätze ja ohnehin sicher sind, da sie sich den arbeitsplatz gegenseitig geschaffen haben, ziehen es vor, weitab, nur via televisionärer botschaften mit ihrem volk zu konferieren, auf daß man es nicht höre.
alldieweil übe ich einen kopfstand, um meine konzentrationsfähigkeit zu verbessern. die aufgabe lautete, eine viertelstunde in dieser stellung zu verharren und gleichzeitig die quadratwurzel aus 3673 zu ziehen. obgleich mir der sinn dieser okulten handlung völlig schleierhaft bleibt, führe ich sie mit einer ungeheuern vorfreude aus, da mir versprochen wurde, nach erfolgreicher beendigung derselben ein anstellungsangebot zu erhalten. nach etlichen versuchen, die sich über eine ganze woche hin erstrecken und unzähligen blauen flecken am kopf und an den restliche körperstellen, ich kann keinen schritt schmerzfrei mehr tun, gelingt es mir, die übung erfolgreich zu beenden. ich bekomme die anstellung.
.... als coach für arbeitslose ...

übrigens die quadratwurzel aus 3673 ist 60,605.

28 Februar 2006

über den politischen fasching

hat sie eigentlich jemand gesehen, die fasenachtstreibenden, die maskierten, die ballierten oder wahrscheinlicher die ballersterer (nein die kommen später dran), die ballanaten, mögen sie doch heißen wie sie wollen. es ist fasching, und keiner kriegt es mit. das ist heuer das einzig wirklich witzige daran. nun, für mich kein wunder, die fasnachtstreibenden und späßemacher haben gerade dieser tage eine konkurrenz, deren sie nun wirklich nicht gewachsen sein können. der realität, die ist gerade dieser tage, bei aller ernsthaftigkeit, die dem ernst des lebens so anhaftet, nun wirklich nur mehr zum lachen. eine nation triumphiert bei den rezenten sportlichen spielen und zerfleischt sich in gegenseitigen vorwürfen. dioe armen österreicher, da hat ihre sportliche equipe einen neuen medallienrekord mit in ihr land gebracht und schon streitet sich die bunte blätterwelt darob, wer für den dopingskandal dingfest zu machen ist. darüber hinaus debattiert man in diesen kreisen, inwieweit sich die regierung des betreffenden staates, sich in bunten bedruckungen der illustren blättern mit den erfolgen der gleichstaatlichen wintermannschaft brüsten kann.
in italien, dem nachbarland des bunten narrenstaates ereignet sich dieser tage auch seltsames, nun ja es ist wahlkampf, und zu diesem behufe ist nun alles erlaubt. am tage vor einem zugegebenermaßen freundschaftlichen zusammentreffen der nationalteams ballestrischer natur kommt es zu einer eigenartigen allianz zwischen dem deuschesten aller deutschen politiker und exkanzler helmuth kohl und dem spitzenkandidaten der italienischen linken, romano prodi. ersterer versprach letzterem zu unterstützen. nun fragt man sich da völlig zurecht, wieso unterstützt ein deutscher konservativer einen italienischen mitte-links kandidaten, (ja ja stimmt schon prodi ist eigentlich auch ein konservativer). trotzdem narrenzeit, und da soll noch einer spaß an der narretei haben, wenn die politische szene ein permanente kasperliade ist?
die armen buntnasen. ihnen ist nicht mehr zu helfen. so möge der aschermittwoch kommen, und mit sand und asche die übergeschnappten zur ruhe bringen. möge die fastenzeit die berlusconis und sarkosys dieser welt läutern und sie in ihre privatwinkel zurücktreiben.

27 Februar 2006

über die hymnen

jetzt sind sie verklungen, die augenbefeuchter dieser welt. tausende taschentücher, vorzugsweise solche aus papier - die einschlägige industrie will ja auch am geschäft beteiligt sein - liegen weggeworfen im müll oder im schnee. schuld daran sind sie, die ständigen begleiter der diversen sportveranstaltungen oder staatlichen inszenierungen: die hymnen. relikte des 19. und 20. jahrhunderts. schlachtgesänge der unabhängigkeitsbestrebungen der nationen, der brennenden straßensperren und marschierenden bürgermilizen. sie, die meist marschiergerecht rhythmisiert sind, um den jungen idealisten den marsch in die auf sie harrenden flinten zu erleichtern, dienen heute dem einzug und der befeierung der sportlich tüchtigen nationalheroen.
da bleibt kein auge tränenleer, wenn sich die wackeren schiefahrer todesmutig die berghänge hinabstürzen, oder die bundgekleideten kicker in die vollbesätzten stadien einziehen. und dann der sieg, ja der sieg für das vaterland, mitsamt der fahne und, richtig, der hymne. und der sportler singt inbrünstig mit, das haupt ehrfürchtig zum flatternden symbol eben jenes vaterlandes erhoben, dem er seinem ursprung verdankt (also mit anderen worten, wo er aufgrund eines zufalls geboren oder gestrandet ist), den text der hymne wort für wort mitsingend, er inhaliert jedes einzelneder heiligen worte und spricht sie damit vor, stellvertretend für die jubelnde, jetzt sind wir endlich wer, masse, die zufällig denselben paß wie der sportler zu tragen beliebt.
wunschvorstellung? mitnichten. das real existierende traumbild eines jedem staatsmannes, besonders anfällig scheinen die herrschaften staatspräsidenten dafür zu sein, die nicht müde werden, ihre sportlerequipe vor beginn einer ebensolchen großveranstaltung auf die importanz des mitlispelns der hymne hinzuweisen. im konkreten fall war das der italienische staatspäsident ciampi, der sich über derartige bezeugungen des nationalstolzes besonders erfreuten wollte, fanden doch die olympischen spiele im eigenen land, in turin, staat. nun, ist es aber eine tatsache, das nur eine ausgesuchte handvoll von personen eines beliebigen staates den text der hymne auswendig mitsingen kann, einige mehr erkennen zumindest die melodie und verögen sie mitzusummen, wie ein unmotivierter bienenscharm. die sportler bilden hierbei keine ausnahme, warum sollten sie auch. ihr vorderrangiges ziel ist, einen sportlichen erfolg zu feiern und in der jeweiligen disziplin, in der sie antreten, bestenfalls zu gewinnen. da hilft eine stumme oder lauthalse intonation der nationalhymne wohl wenig.
und doch, falls sie es denn nun nicht können, folgt ein handfester skandal im eigenen land. da melden sich dann politiker der kategorie landesliga zu wort, die sich in ihrer nationalen ehre massiv verletzt fühlen. so geschehen ebenfalls in italien, als ein südtiroler doppelsitzrodler, also mithin ein italiener (oder doch nicht?), der die bronzemedalie errungen hatte, auf die frage, ob er denn den "inno di mamelli" gesungen hätte, falls er siegreich gewesen wäre, zur antwort gab, er kenne dieses lied nicht. das hat einen lokalpolitiker, interessanterweise der linken provenienz, derart echauffiert, daß er vom betreffenden sportler ernsthaft verlangte, er möge doch die medaille zurückgeben, die ihm die mannschaft des betreffenden staates ermöglicht hätte, da er die symbole des staates nicht anerkenne. nun, das ist starker tobak. man stelle sich das mal vor, jener politiker würde einen schritt weiter gehen und von allen seinen staatbürgern verlangen, die staatliche unterstützung erhalten, in einem aufrechten arbeitsverhältnis mit diesem stehen oder sonst mit den staatlichen autoritäten eine geschäftliche basis haben, diese müßten in der lage sein, die hymne singen zu können und dies bei abholung ihrer benefits auch tun. welch ein gejohle, welch ein gejackere. da fehlte nur noch eben jener hut, welcher die eidgenossen wutendbrannt dazubewogen hat, sich von der herrschaft der habsburger loszureißen, der gesslerhut. man könnte diesen vorgang des hutgrüßens, der modernen technik sei dank, ganz einfach überwachen, mit videokamera und mobiltelephon. einer begeht, wohl behütet und nichts ahnend, die schandtat und unterläßt das rituelle hutlüpfen vor dem hut, und prompt zieht die exekutive ihm den hut. weg mit dem gesindel, das schadet dem gesunden volkskörper. wer die autoritäten nicht gebürend anerkennt ist ein terrorist.
mir scheint, wir bewegen uns in richtung autoritäterer nationalistischer staaten, und das in, das sei an dieser stelle deutlich unterstrichen nicht im vielgescholtenem nahen osten, sondern hier bei uns in europa. allem europäischen einigungstendenzen zum trotz.

02 Jänner 2006

über das gas

sagt mal, hat hier jemand die heizung abgedreht, es ist plötzlich so kalt geworden. nein, nein, ich meine das nicht allegorisch, wiewohl das raunen über die soziale kälte die runde durch die gazzetten und den politischen parteien macht, meine heizung ist merklich kühler geworden. die ersten, die von diesem ereignis notiz nahmen, waren meine zehen. sie sind seit jeher verläßliche seismographen in allen thermischen belangen. besonders deutlich war das zu den schischulzeiten zu verspüren, in diesen engen, steifen fußverlängerungen an die wiederum seltsame bretter geschnallt waren, ich wage sie nicht als schuhe zu bezeichnen, war mir immer gräßlich kalt. ich schaffte es nie, trotz verzweifelter zehenbewegübungen selbige auch nur ein klein wenig zu erwärmen.
die lösung des heizungsrätsels entnahm ich den nachrichten. die russische gasprom hat zu jahresbeginn die gasliefung an die ukraine gänzlich gestoppt. das gas, meine hauptheizquelle ist also empfindlich gedrosselt geworden. weil sich ehemalige "brüder"-staaten nicht über lieferkonditionen und -preise einigen können. die ukraine unter juschtschenko soll auf einem schlag den fünffachen preis an die staatliche russische grazprom zahlen. jedem politischen und journalistischen beobachter war sofort klar, daß es sich hier um eine politische aktion im deckmantel eine ökonomischen maßnahme handelt. das widerspenstige land ukraine in seine schranken zu verwaisen. so, und dummerweise laufen die meisten gaspipelines, die (west-)europa mit russischem gas versorgen, durch die ukraine. so ist es nur logisch, daß es auch in den westlichen staaten zu liefereinbrüchen führen kann.
also wirklich, da rede nun einer von der freien welt, in der freie marktgesetze herrschen und all die interessen sich einzig und allein an den merkantilen gesetzen halten. mitnichten. die politischen mächte, allen voran die großmächte sind natürlich daran interessiert, das theoretische gleichgewicht zwischen angebot und nachfrage für eigene zwecke entsprechend zu verbiegen bzw. außer kraft zu setzen.
in diesem sinne ist das vorhaben des ex-bundeskanzlers schröder, als manager eines der russischen gasprom nahestehendes konsortium, genau für diese eine pipeline durch die ostsee zu bauen, ein symbolisches bild. die verbrüderung der politik mit der wirtschaft zum schaden der konsumenten. ich sehe ja ein, energie ist teuer und will entsprechend gezahlt werden, immer höhere erschließungs- und förderkosten auf der einen seite, stetig steigende liefer- und sicherungskosten, die aufgrund der erhöhten terroranschläge auf rohstoffliefereinrichtungen gestiegen sind, führen zu höheren preisen, soviel ist mir klar. aber warum dürfen jene mächte, die man meist als "groß"mächte definiert, ganz schamlos mit energie handfeste machtpolitik führen dürfen, ist mmir noch nicht klar. jaja, stimmt schon, mit der sicherung des eigenen energiebedarfs ist der wohlstand im eigenen land verknüpft. ich habe allerdings den eindruck, die machtgelite verwechselt den wohlstand des eigenen landes mit ihrem eigenen wohlstand.

29 Dezember 2005

über den silvester

er naht, unabdingbar und unverrückbar, er kommt. da kann ich mich noch so dagegen sträuben und schnauben, es ist nicht zu ändern. mit all seinem bombast nebst raketen und böllern, rückt er heran, der silvester, das jahresende oder saisonsschluß.
um was geht es da denn. nun, eigentlich um nichts weiter, als daß eine neue jahreszählung beginnt. die zähler für die tage und monate springen wieder zurück auf 1, nur der jahreszähler rückt um +1 vor. na ja könnte sich jetzt ein abgebrühter zeitgenosse denken, was ist da dabei. ich habe ja auch alle jahre geburtstag, wobei mein persönlicher jahreszähler um 1 vorrückt, und niemand, oder nur sehr wenige, machen ein tamtam daraus. stimmt, wende ich ein, dein persönlicher zähler rückt um 1 vor, und du selbst nimmst diesen tag den du deinen geburtstag nennst, zum anlaß, eine art rückschau auf das vergangene und eine art vorschau auf das nächste jahr zu versuchen.

im gegensatz zum persönlichen geburtstag ist der silvester eine art kollektiver geburtstag, na gut, sagen wir besser ein kollektiver anlaßtag. man hält gemeinsam rückbesinnung, die sich in tausenden minuten fernsehsendungen und ebensovielen zeitungeiten unter dem titel "das war das jahr 2005" niederschlägt. im übrigen kann ich diese nicht mehr sehen und hören, es nervt schön langsam ganz ordentlich, es scheint momentan eine art zwangserinnerung zu grassiern, ind em jedes steinschen geschehen aufgehoben, umgedreht und begafft wird.
zum zweiten haben momentan alle möglichen gestalten hochkonjunktur, die in irgendeiner form die zukunft aus verschiedenen substraten herausdestilieren vorgeben; seien es nun die astrologen, welche die sterne ob ihres wissens über die zukunft auf glanz und glitzer überprüfen, seien es die bleigieser, die mit teelöffel und kerze bewaffnet, das geschmolzene und schockerstarrte blei morphologisch auf vorausdeutungen hin untersuchen, und die vielen anderen mehr oder weniger zielführenden versuche, die zukunft zu erfragen, da fallen mir die kaffeesatzleser, die münzwerfer, die schneeflocken zähler ein, die liste ist nach belieben zu vbervollständigen.
im mittelalter war es ausgemachte sache, daß in den rauhnächten, also den nächten zwischen dem stephanitag (26.12.) und dreikönig (6.1.), die tiere im stall und auf freiem feld und flur sprechen können und sich gegenseitig die zukunft des jeweiligen bauernhofes und bauern zuflüstern. diesem treiben zuhören war zwar ein verlockendes, aber lebensgefährliches unterfangen. wurde der lauschende erwischt, ging es qualvoll mit ihm zu ende. die tierischen wahrsager ließen sich überhaupt nicht geren in ihre karten sehen.

man wußte schon damals, die zukunft zu erfahren, ist ein fatales wissen, man stelle sich einmal vor, man wisse um die katasptrohe vom tzunami, und kann nichts unternehmen, den die katastrophe muß genau so kommen, da niemand die zukunft ändern kann, grauenhaft. und nebenbei bemerkt, warum hat keiner diese letztjährige katastrophe und jene anderen beiden vorhergesagt, sie waren weiß gott, von globaler und beträchtlicher dimension.

so und wer ist nun dieser silvester?
der herr silvester, um den es an diesem tage geht, war der erste papst, nachdem das christentum offiziell durch kaiser konstantin anerkannt wurde. es handelt sich also um den ersten offiziell anerkannten papst, der sein amt in aller öffentlichkeit ausüben durfte. nichts, aber auch gar nichts in seinem bekannten leben deutet auf die hohe kunst der zukunftsschau hin, das hat allein mit der tatsache zu tun, daß auf sein sterbegedenktag, (gestorben 31.12.335 in rom) der letzte tag des jahres gelegt wurde. nun auch eine form, um seinen namen in die köpfe der nachgeborenen zu bringen. oder weiß jemand um die legende um silvester?

23 Dezember 2005

Über den Zynismus

Wie schützt man sich vor dem staatstragenden Umschlingungspathos der Marke „seit umschlungen Millionen“, gerade in der Denk-, Dank-, Gedenkzeit? Es könnte ja passieren, daß die ganze Veranstaltung langsam, wie ein Schokoladeneis in der Sommerhitze, zu schmelzen beginnt, und eine braun, graue klebrige Soße über die Hand und den Arm tropft. Eine ganze Staatinszenierung schmilzt langsam in sich zusammen, die stolzen Fassaden gleiten unten, die heiligen Farben der Nationalflagge diffundieren und mischen sich zu einem gräßlichen braun. Die einst festen und unabhängigen Einzelteile werden uniformiert und fließen einfach mit, ob sie nun wollen oder nicht. Auch das Pathos versucht das gleiche, alle Teilnehmer werden da umfaßt und mitgespült, wohin, das stellt sich erst im nachhinein heraus. Blumige Reden und ein opulentes Bühnenbild soll das innere Eis der Skeptiker zum schmelzen bringen und sie in die Gesamtheit eingliedern. Da fließen sie nun dahin, die ehemals Aufrechten. Der Verlauf des Bettes, den dieser Fluß zu nehmen gedenkt, ist keinem bekannt. Es gibt kein Entrinnen, so scheint es.
Oh doch! Es gibt zwei Möglichkeiten. Man wählt die Flucht in die Berge die da möglichst hoch genug sind, damit einem der Strom nicht erreichen kann, oder aber man verweigert dich dem ganzen Schauspiel durch Zynismus. Die erste Variante hat den Vorteil, daß man im Grunde so bleiben kann wie man will. Man muß sich keiner Selbsterziehung unterwerfen. Gleichzeitig aber verläßt man die Zivilisation, den Ort des Geschehens neben der anderen Unannehmlichkeit wie der Verlust von fließendem Wasser und Eisdielen, gibt keine Möglichkeiten der Einflußnahme mehr. Außer man beschließt zum Rufer in der Wüste, respektive zum Alten vom Berge zu mutieren, da bleibt die Möglichkeit der Einflußnahme zumindest indirekt vorhanden. So jetzt sind wir nun am Berg, das Pathos haben wir Gottseidank hinter uns gelassen, wir widmen uns munter und zufrieden der angewandten Schafzucht oder der hohen Wissenschaft der Bergkäserei. Die Glocken der Kühe, Schafe und Kirchen im Tal bimmeln, das Gras steht im Saftgrün des Frühlings, alles eitel Wonne. Am Horizont, dort hinten am Almboden tauchen zwei Punkte auf, die langsam aber stetig größer werden, sie stellen sich als Touristen heraus, die sich mit den Worten vorstellen, „schau Helga, es gibt sie noch, die Almromatik mit ihren einfachen, glücklichen Bewohnern. Die habens gut“. Nein, aus, das ist auch nicht der Weg.
Bleibt nur mehr der Zynismus, auf die Gefahr hin, als Defätist und Zerstörer verunglimpft zu werden. Der Zyniker - der griechische Hund (Kynikos griech. Hund) bellt und kläfft zurück, wenn man ihn getreten hat. Eine Verstellung ist in diesem Fall unumgänglich, niemand wird zum Hund geboren, und kann permanent in diesem Zustand leben, so wohlschmeckend sind zerkaute Knochen nun auch wieder nicht. Aber er ist der Fels im Bachbett, der den Schwung des Stromes bremst. Nun ist es so, wird eine Flüssigkeit gebremst, kühlt sie ab. Je langsamer sie fließt, desto kühler ist sie, an einem bestimmten Punkt erstarrt sie wieder. Das heißt die Zynikerfelsen können einen Pathosstrom zum erliegen bringen, wenn sie denn genügend zahlreich auftreten, das ist ein gehöriges Maß an Einflußnahme. Mit Fug und Recht läßt sich behaupten, es zahlt sich in solchen Fällen aus zynisch zu reagieren, sei es aus Selbstschutz und damit aus Eigennutz , sei es aber auch aus Schutz der Masse vor sich selbst, hier gefällt der idealistische Ansatz. Dummerweise wird aber der Zynismus zur Berufskrankheit, und bremst ausnahmslos alles ein, was im so entgegenströmt, eben auch notwendige humane Gefühlszustände, die er eigentlich selber haben wollte, wie Verliebtsein, Optimismus und Selbstvertrauen. Jetzt richtet sich die Verteidigungswaffe gegen den Besitzer und bremst ihn selber ein, der Hund beißt sich in sein eigene Bein und kann nur mehr hinken. Der Zyniker versteinert in seinem Flußbett, er reagiert nur mehr, er verteidigt. Damit ist er das geworden, was er zu Beginn verhindern wollte, ein Teil der Flüssigkeit, ein Teil des Stromes, zwar nicht der aktiv fließende Teil, wohl aber der jener des notwendigen Hindernisses. Er kann nicht mehr weg, er ist darin gefangen.
Was nun, wieder zurück in die Berge? Damit dann wieder am Almboden zwei Punkte auftauchen, die …. Nein, so geht das nicht. Der springende Punkt ist, wie erkennt der Zyniker, ab wann sich die Waffe gegen ihn selbst richtet. Bremst den Hund, haltet ihn ein, hindert ihn, sich selber zu verspeisen. Was soll man tun. Zum Stoiker sich bekehrten, jene noblen Damen und Herren die sich ganz aristokratisch nicht mehr äußern, denen alle Vorgänge jenseits des Ereignishorizontes Armlänge, Wurscht ist, in welche unser kynischer Hund geifernd beißen will. Hmm. Auch diese Haltung hat etwas lebloses an sich, (Stoiker griech zur Säulenhalle gehörig); unerwarteter Weise sind wir wieder bei den Steinen angekommen, in der Säulenhalle zwar, aber auch aus Stein.
Jede größere zivile Ansammlung von Menschen, auch Städte genannt, verfügt über eine Behörde, deren Aufgabe darin besteht, streunende Hunde einzufangen und sie einem Tierheim zu überstellen. Für streunende Zyniker gibt eine derartige Einrichtung ebenfalls, herrschende Konvention genannt. Dahinter verbirgt sich eine Ansammlung auf niemals fixierten, ja niemals ausgesprochenen Regeln, die bei gewitterter Zuwiderhandlung zur Anwendung gebracht werden. Weder der Kodex ist verbindlich, noch die Vollzugsorgane, was dazu führt, daß jeder sich auserkoren fühlt, kraft des Kodex zu branntmarken, „Du bist ein Zyniker“. Wenn er eigentlich sagen will, du hast mich gebissen. Wie soll man nun, bei einer derartigen Sprachverwirrung noch zweifelsfrei feststellen, was schädlich zynisch, also gegen sich selbst gerichtet und was nützlich zynisch, also zur Selbstverteidigung ist. Mit netzen und anderem Gerät bewaffnet macht sich die Meute nun auf die Jagd nach den kynischen Hunden, sie vermutet sie in den Skeptikern, den Intellektuellen igitt, allein das Wort ist schon ekelig, all jenen, die nicht in dem pathetischen Jubelgeschrei einstimmen wollen. Mögen sie mich auch mit Ruten jagen, ich bin nicht in die Eishockeyserie B abgestiegen, wie der Sportreporter lamoryant anmerkte. „Wir sind nun in die Gruppe B abgestiegen.“ Auch bin ich nicht Papst geworden, wie unlängst die Bildzeitung vermutet hat. Und schon gar nicht habe ich die USA besiegt, wie ein Skireporter vergangenen Winter bemerkt hat, ich kenne nicht mal einen.
Man kann sich wohl nur selbst vor dem Zubeißen schützen, indem man höllisch (wie der Höllenhund Zerberus) aufpaßt, weswegen die beißenden Zynismen das zähnenbewehrte Maul verlassen. Man muß nicht unbedingt Boden Luft Raketen auf Papierflieger abschießen, gegenüber einzelnen Personen kann man sich auch anders behelfen, außer bei ausgesuchten Betonklötzen, Gemeinschafts- oder noch schlimmer Staatsdoktrinen aber verlangen nach verschärften Maßnahmen. Da hilft nichts andere, sonst ersaufen wir noch im Pathos, in der klebrigen Masse.

21 Dezember 2005

Über die Werbung

Epiliere dich, ob Männchen oder Weibchen, willst im Trend du sein, so enthaare dich, entkleide dich deines Fells, dann hast du garantiert eine strandtaugliche Figur. Was, du glaubst es immer noch nicht, dann schau dir gefälligst diese jungen, nackten Damen und Herren an; siehst du ein Haar an ihrem Körper (außer am Kopf du Idiot) na eben! Völlig fassungslos stehe ich, als der angesprochenen vor einer Plakatwand und erblicke wirklich drei nackte junge Menschen, völlig nackt, die mich ob der segensreichen Erfindung der Epiliercreme für Sie und Ihn aufklären wollen.
Mein Pech an der Geschichte ist, Plakate erlauben im Kommunikationsprozeß nur eine Richtung, man kann nicht antworten, nicht seine Meinung kundtun. Okay, ein Kübel voller schwarzer Farbe ist durchaus auch ein Statement, in diesem Fall sogar ein passendes, aber das Argument „schütt“ ist doch etwas zu undifferenziert, mehr Ausdruck einer spontanen Wut.
Ich möchte doch mal fragen, was sich die Damen und Herren Werbestrategen so denken, wenn sie derartige Kampagnen starten. Wie, höre ich da nicht viel. Nun offen gestanden, es hat den Anschein. Nackte Haut, seien wir doch offen, zieht doch immer, wir alle haben als Teenager Schlüsselloch, Playboy und all die anderen schmuddeligen Zeitschriften unter der Matratze gehabe, und im Internatsspint hing doch immer eine Vollbusige überlebensgroß. Ja, was bei uns, (ähm ich spreche klarerweise von jungen Männern, was so in den Köpfen pubertierender Mädchen vorgeht, habe ich beim besten Willen noch nicht herausfinden können) in jungen Jahren wäßrige Augen (nicht nur…) bewirkt hat, das geht doch immer. Heerscharen von Werbepsychologen und Marketingfritzen können nicht irren, der Schaureflex ist der wichtigste. Anscheinend ist die Botschaft noch nicht angekommen, daß man mit derartigen Holzhammermethoden den Verstand der potentiellen Konsumenten beleidigen kann, die dann zum Trotzreflex greifen, diese Firma werde meiden.
Nicht alles was witzig gemeint ist, ist auch witzig, manches Mal ist es im schlimmsten Fall beleidigend, im besten Fall einfach nur blöd, und wer will den ein blödes Produkt kaufen? (Nach der Implikation der Werbenden, die Haltung gegenüber dem Produkt wird von der Werbebotschaft vorgegeben.)
Habet Mut, euch eures Verstandes zu bedienen, meine Damen und Herren Werbenden. Setzt auf Witz, Intelligenz und Offenheit, manchmal, gelingt es euch sogar, das will ich euch zugestehen. Die Kampagne des Joghurts „Macht zwar nicht schlanker, aber es schmeckt“ ist ehrlich und hat Witz. Warum versucht ihr denn andauernd, euere Kunden für blöder zu verkaufen als sie sind? Vielleicht bin ich etwas zu optimistisch, aber ich behaupte mal, es weiß doch jeder, daß er um keine Spur schlanker wird, wenn er ein 0,1% Fett- Joghurt ist, anstatt ein 3,6%. Das eine Joghurt macht es nun beim besten willen nicht mehr aus? Oder? An dieser Stelle will ich auch die Kampagne der Wiener Linien hervorheben, da sie nun wirklich ihre Kunden nicht für blöd verkauft, sondern die Alltagssituationen in all ihrem Witz und Groteske darstellt. Ich erinnere an das junge Mädchen, das im Morgengrauen vor der Tür ihrer Mutter steht, und zu ihr sagt, „Du hast doch gesagt mit dem letzten Bus!“ Leute, das kann was. Ich verstehe schon, daß nicht jede Kampagne unbedingt eine Meisterleistung sein kann, aber man wünscht sich halt schon etwas mehr Bemühen.
Ihr Damen und Herren Werbenden solltet endlich zur Kenntnis nehmen, daß ihr wertvollen und großflächigen Platz im öffentlichen Raum einnehmt, der ihr zugebener Maßen zwar bezahlt, aber das ist noch lange kein Grund, diesen mit Dummheiten zuzukleistern. Es gibt auch so etwas wie einen öffentlichen Auftrag, ja ja, schon gut, von Moral zu sprechen ist antiquiert und oberlehrerhaft. Das verlange ich auch nicht, mir ist schon klar, Werbegeld hat nun mal keine Moral, von Würde ganz zu schweigen, aber Dezenz. Und überhaupt, warum müssen wir Passanten uns denn alles gefallen lassen, nur weil es euch in euren dreimalkreativen Bureaus habt einfallen lassen?

Ich rufe zur ultimativen Plakatschändung auf, wem ein Plakat nicht gefällt, oder wer sich beleidigt fühl, hat das recht dieses zu übertünchen! Mit blau, mit gelb mit weiß mit allen möglichen Farben. Machen wir uns die Stadt wieder zu eigen und gestalten sie wirklich bunt.

18 Dezember 2005

über den verrat

observation über verrat

dem wort nach muß es sich doch um ein derivat des rates handeln, jedoch nicht im sinne des "guten rates". es heißt ja, "ver"rat, also um einen rat, dem die präfix "ver-" vorgestellt wird. doch dazu später
nun zu rat.
es gibt ja bekanntlich das "rat-" haus, also ein haus voll rat? nein, wohl nicht, weder in wien, noch in schlanders oder aldein.
rat, der [mhd., ahd. rät, urspr-> (Besorgung der) Mittel, die zum Lebensunterhalt nötig sind. Vorrat, Unrat. Vergl. Hausrat.
Aha, der rat war ursprünglich eine od. mehrere sachen, ein od mehrere gegenstände, die zum leben notwendig waren. sozusagen einkaufen oder raten gehen.

damit ist der rat etwas wesentliches für demjenigen, der ihn besitzt, ist ja noch heute so, man kann den rat aber auch weitergeben wie man würstel und ein bier (vulgo sechzehner eisen) weitergeben kann; das nennt man dann jemanden raten oder einen rat geben, in diesem fall gleich zwei, also das würstel und das bier.

sind dann ratsherren die herren über würstel und bier, (s.o.) nein, nein so ist das auch wieder nicht, rat kann auch etwas immaterielles sein, womit wir dann beim "guten rat" wären. das ist also hilfsmittel, die zum lebensunterhalt nötig sind, jedoch keine gegenstände, wie wohnadressen, jobangebote etc. was an halt so alles braucht.

schwieriger wird die frage nun mit der präfix "ver-". diese hat mehrere bedeutungen. etymologisch sind mehrere gotische vorsilben mit lateinischen präkfixen verschmolzen.
am ehesten entspricht "ver-" got. "fra" weg in den verben die ein verarbeiten verbrauchen, verderben bezeichnen. dem stehen die begriffe des "verschließens" in (verschlafen, versäumen) und des irregehens oder -führens nahe.

am ehesten haben wir es im falle des verrates mit einem irregehens resp. -führens zu tun, also der ursprüngliches sinn des wortes wird verdreht. der verräter rät dem manne falsch. nein das tut er ja nicht. der raffl, um mal einen beim namen zu nennen, oder aber judas, ein anderer recht bekannter, rät seinen meister (im einen fall a.h., im anderen fall j.c.) ja nicht. er rät die anderen, die ihn fangen wollen, und das korrekt, aufgrund seines ratschlages finden diese auch den gesuchten. auf der pfandleralm oder in gethsemane, je nach dem. und bekommt obendrein nnoch einen lohn, den er mehr oder weniger gebrauchen kann.
was verrät dann der verräter, was verdreht er, welchen rat, ob jetzt dinglich oder allegorisch gesprochen, verdreht nun dieser. so gesehen keinen, also dürfte der veräter nicht verräter genannt werden, sondern auslieferer, denn das tut er ja, also salopp gesagt, mitarbeiter der post. (k. u k. post bzw. judäische post wenn es die halt gab?)
nein so geht das auch wieder nicht, die armen briefträger mit den sog. verrätern in ein und dieselbe einrichtun g zu stecken, etwas muß doch verschieden sein. die müssen doch, diese spitzbuben etwas übles gemacht haben, sonst wäre man ihnen doch nicht so feindlich gesinnt, (dazu siehe dante inferno)
sie verdrehen (wieder so ein "ver-" wort) das vertrauen (und gleich noch eines, langsam werden mir diese "ver-" wörter unheimlich). so das war jetzt schön allgemein und sagt .... nichts. also von welchem vertrauen ist hier die rede, nun es muß sich um ein ein wissen einer bestimmten gruppe handeln, das nicht nach außen dringen darf. so ein art hermetischen wissens, das die gruppe in sich zusammenhält und sie von der außenwelt abgrenzt. bildlich gesprochen handelt es sich um die haut der gruppe, wie beim menschen dei haut den körper un dmithin den menschen von der außenwelt trennt, so sind dies bei gruppen die profundesten geheimnisse, welche die demarkationslinien bilden, zwischeneingeweihte und nichteingeweihte.
mithin verkauft der verräter also die haut seiner gruppe, er ist also der arme teufel der seine und die haut der anderen zum markte trägt. und darin liegt sein verbrechen. (der "ver-"räter begeht sein "ver-"brechen, weil er die haut "ver-"kauft. ganz schön unheimlich diese "ver-" wörter. echtes gruseln kommt auf. der verräter ist also in wahrheit kein verräter, sondern ein sehr schmieriger verkäufer, der sich leider selbst mitverkauft. und jetzt sag mal einer der kapitalismus sei gut?

vermutlich ist das auch der grund, warum die gegenseite die dienste jener zeitgenossen zwar gerne annehmen, solange sie ihrem verfolgten zweck dienen aber sich angewidert von ihnen abwenden, wenn seine dienste nicht mehr benötigt werden. wahrscheinlich ist es die ahnung und die angst, daß auch ihre kreisen bzw. gruppen derartige zeitgenossen beherbert, die diese gruppe sowie die einzelnen zufall bringen kann.
vielleicht schwingt in dem angewidert sein auch die scham mit, daß große ideen, bzw. große werke durch solch kleinen sand im getriebe zu fall gebracht werden können.

und was hat das alles mit dem würstel und dem bier zu tun. nichts, aber ich habe hunger und gehe nun eines essen.

17 Dezember 2005

abend in blau

blau. schöne farbe. gerade im winter dominitert sie die umgebung, alles versinkt im abendlichen blau- im tiefblau, sogar die vorweihnachtliche geschäftigkeit, aj gerade diese. und der punschstand natürlich, der ist auch blau, oder sind es dessen gäste, ist um diese zeit nicht mehr genau zu unterscheiden.
die sehnsucht nach dem blauen meer kommt in mir auf, nach wellen, gleißender gischt, weißen schaumkronen, und hell glänzendem sand. der sommmer, ist der wirklich so lange her, jezt wo die unsäglichen "jingle bells" allüberall tönen, die lichterketten im einkaufstakt pulsieren und den rhythmus der shopperei vorgeben.
betrinken ist die einzige möglichkeit, dem zu entrinnen, ja eben, blau zu sein. es lebe die blau stimmung

abend in blau

blau. schöne farbe. gerade im winter dominitert sie die umgebung, alles versinkt im abendlichen blau- im tiefblau, sogar die vorweihnachtliche geschäftigkeit, aj gerade diese. und der punschstand natürlich, der ist auch blau, oder sind es dessen gäste, ist um diese zeit nicht mehr genau zu unterscheiden.
die sehnsucht nach dem blauen meer kommt in mir auf, nach wellen, gleißender gischt, weißen schaumkronen, und hell glänzendem sand. der sommmer, ist der wirklich so lange her, jezt wo die unsäglichen "jingle bells" allüberall tönen, die lichterketten im einkaufstakt pulsieren und den rhythmus der shopperei vorgeben.
betrinken ist die einzige möglichkeit, dem zu entrinnen, ja eben, blau zu sein. es lebe die blau stimmung