08 Mai 2007

über die zeit

eigentlich eigenartig. die einen haben viel zu wenig davon, die andern viel zu viel. mal ist sie schon vorbei und man möchte den fliehenden drachen noch am schweif packen, aber dahin entschwebt er, noch ein paar kleine feuerszungen von sich hustend, mal kriecht sie dahin wie ein nacktschneck, gräßlich anzusehen und ebenso gräßlich langsam, sich abmühend jeden zentimeter ihres weges. die zeit. und das, obwohl wir alle wissen, es ist für alle gleich viel da genau gleich viel. die erde dreht sich für alle gleich schnell um sich selbst, einmal in vierundzwanzig stunden. ebensolang dauert für jeden ein tag. aber er ist unterschiedlich lang. man bequeme sich nur zu einer kleinen umfrage unter den zeitgenossen.
ebenso unterschiedlich viel ist die zeit wert; der zeitgenossen. manchmal ist zeit billig zu haben, sie wird praktisch verschleudert, von anderen wiederum ist sie praktisch unbezahlbar. wer legt dies fest? gute frage, keine ahnung. ich vermute, irgendwo auf den paneten sitzen graue männlein, die die erde rotieren lassen und gleichfalls den wert der zeit für jedermann (und jederfrau) quantifizieren. tonnen von tabellen liegen in dem viel zu kleinen bureau herum, die ständig mit bleistift überprüft und korrigiert werden. ein richtiger zeitaktienhandel ist das. manchmal steigt jemand aus nicht näher erörterbaren gründen in der gunst eines der grauen männlein, und schupps, seine zeit wird plötzlich tremend kostbar, ja fast unbezahlbar. andere dagegen, die sich eines nichbekannten vergehens schuldig gemacht haben, sinken rapide und sind gezwungen, ihre zeit zu verschleudern.
in einem punkt sind unsere kleinen männlein mit uns alle aber gnädig. sie erlauben nicht, daß wir untereinander mit der zeit selber handel treiben. das wäre ein merkantiler trara, verkaufe ein monat hab noch so viel davon, der handel teibt das monat in die höhe, ein schüler, der kurz vor einer wichtigen prüfung steht, und seine lerndefizite erkennt, will sich aufschub erkaufen, aber da ein aktienhändler sieht seine chance und will zugreifen, aber nein, ein todkranker will sich zeit erkaufen, seiner gewaltige hinterlassenschaft zu ordnen, und so geht es dahin. gnade, wer da heil herauskommt.
wir sind nach wie vor gezwungen, zeit via arbeit quantifizierbar zu machen. und damit das übel in kauf zu nehmen, wessen zeit ist kostbarer, von denen die immer glauben sie hättet stets zu wenig, oder von jenen, die eigentlich genug davon haben. unser spieltrieb treibt uns dazu, genau jene als knapp zu klassifizieren, denen das von einer allgemeinheit zugeschrieben wird. ist so ähnlich wie mit dem baugrund. wo er knapp ist, da hat man mühe, diesen zu bezahlen, aber wo keiner hin will, da bekommt man bauland fast umsonst.
ja ich gebe es zu, ich verstehe von ökonomie sehr wenig. die prinzip der verknappung sind mir zwar klar, aber wie man das in die realität umwälzt, ist mir schleierhaft. vor allem bei dingen, die wir im prinzip alle gleich haben, wie zeit.
ah ja, ich höre da, zeit ist zwar für alle gleich aber nicht der nutzen der zeit. stimmt schon, aber wer legt den nutzen der zeit fest, etwa wieder unsere graunen männlein. nein nein, die sind schon mit der festlegung der zeittabellen mehr als beschäftigt, es muß da einen andere instanz geben, die das macht, oder auch nicht.
und was hat das alles mit der zeit zu tun. eigentlich nichts. die erde dreht sich für alle gleich schnell um sich selbst. und es geht die sonne auf und es beginnt ein tag.

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